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Cueva del Viento

Cueva del Viento
8. Februar 2013

Dirk hatte diese Exkursion organisiert und bei ihm und Alrun trafen wir uns auch kurz vor zwölf. Es waren noch drei oder vier andere deutsche Freunde von ihm dabei. Wir verteilten uns auf zwei Autos und fuhren zum Treffpunkt, dem Informationszentrum dieser Höhle.

Wer mehr über die Höhle selber wissen will – es lohnt sich! – findet viel Information im Internet: cueva del viento als Suchbegriff eingeben. So kann ich mich auf unsere Erlebnisse beschränken.

Aus Sicherheitsgründen darf die Höhle nur unter Führung (nach Voranmeldung) besichtigt werden; Sicherheit für die Besucher, aber auch für das empfindliche Ökosystem. Es gibt nun, nebst spanisch und englisch, auch deutschsprachige Führungen. Unser Führer sprach ein ausgezeichnetes Deutsch und war auch sehr sympathisch; es ist immer schön, Menschen zu treffen, die von ihrer Arbeit total begeistert sind. Er ist Höhlenforscher, diese Führungen macht er nur nebenbei, aber mit keiner geringeren Freude.

Es gab einen kurzen, interessanten Einführungsvortrag über Vulkanausbrüche, Lavaarten, Entstehung der Lavahöhlen. Dann verteilten wir uns auf zwei Kleinbusse. Ausser unserer Gruppe gab es noch andere Besucher, das Maximum ist 16 Personen. Wir fuhren auf schmalen, steilen Wegen – Teneriffa halt – in den Wald hoch; schöne Landschaft. Wir bekamen eine Mütze – die Anderen sahen ulkig aus, mich selber habe ich zum Glück nicht gesehen – und Schutzhelme mit Stirnlampen. Die Herren mussten eine schwere Batterie um den Bauch – oder Taille, falls man eine hatte – schnallen, die Damen bekamen LED-Lampen, die leuchten auch mit kleinen Batterien lange genug. Nun folgte ein nicht zu langer Aufstieg zu Fuss, über einem sogenannten Königsweg, camino real. Diese legten die Spanier kurz nach der Eroberung der Insel Ende des 15. Jahrhunderts an. Sie sind teilweise mit Basaltsteinen gepflastert, also erstarrtem Lava mit glatter Oberfläche. Unterwegs erzählte er uns Interessantes über die hiesige Vegetation, zeigte auch verschieden Blüten, deren Namen ich wie üblich sofort vergessen habe, nebst diversen Gewürzkräutern. Seit er hier lebe, müsse er kaum je Gewürze kaufen, er wisse, wo er sie finde.

Der kanarische Kiefer wächst nur dort, wo es keine Lavahöhlen darunter gibt, weil er nur da seine tiefen Wurzeln entwickeln kann. Bäume mit flachen Wurzeln überstehen gelegentliche stürmische Winde nicht. Ausserdem sind die kanarischen Kiefer erstaunlich resistent gegen Waldbrände, dank der speziellen Beschaffenheit ihrer Rinde aus vielen Schichten. Auf einer Insel, wo im Schnitt alle 110 Jahre ein Vulkanausbruch stattfindet, haben andere Bäume keine grosse Chancen. Und wenn man sie fällt, schlagen sie wieder aus, zunächst viele kleine Ästlein, von denen aber jeweils nur zwei überleben. Man sieht immer wieder Kiefer, die zwei eng nebeneinander stehende Stämme haben – die wurden schon mal gefällt. Interessant.

Bald kamen wir zu dem tiefen Loch, wo die Höhle entdeckt wurde, auf ziemlich dramatische Art: eine alte Frau brach da mit ihrer Ziegenherde ein und stürzte acht oder zehn Meter tief. Erstaunlicherweise überlebte sie und konnte gerettet werden. Das war vor rund hundert Jahren, sei aber keine Legende sondern verbürgt. Es dauerte aber ziemlich lange, bis man anfing, die Höhle zu erforschen und dann noch ein paar Jahre, bis man einen kleinen Teil so gesichert hatte, dass man sie für geführte Besichtigungen freigegeben hat: da und dort gibt es ein Geländer, einige Treppenstufen aus Gitterrost, an ein paar Stellen wurde die Decke mit langen Stahlankern (unsichtbar) befestigt. Mehr wolle man nicht machen, es soll alles in natürlichem Zustand erhalten bleiben. Massentourismus oder andere kommerzielle Nutzung wollen sie nicht.

Das Begehen war ziemlich mühsam, der Boden war sehr holprig, es ging teilweise relativ steil abwärts, auch gab es Stellen, wo ich nur gebückt durchkam – da war man froh um den Helm. Zum Glück machten wir immer wieder Halt, wo er dieses und jenes gezeigt, erklärt hat. Man sieht nur, was man weiss: es gab erstaunlich viele interessante Details, die man sonst gar nicht wahrgenommen hätte. Man kann zum Beispiel zählen, wie viele Vulkanausbrüche ihre Lava durch die Höhle geschickt haben: die einzelnen Schichten verbinden sich nicht miteinander, die Hitze der zähflüssigen Lava reicht nicht, die bereits erstarrte anzuschmelzen. Da und dort lagen auch mächtige Felsbrocken, zum Teil konnte man die Stelle an der Decke entdecken, woher sie abgestürzt sind.

Man habe auch viele Lebewesen, zum Teil endemische (nur hier existierende) entdeckt. Hier, wo wir uns aufhalten, gäbe es aber keine mehr, wir stören sie zu sehr: wir machen Licht, sie sind an völlige Dunkelheit gewöhnt; wir machen Lärm, sonst ist es hier absolut still; unsere Körper sind rund zwanzig Grad wärmer als die Umgebung. Auch deshalb wolle man den allgemein zugänglichen Teil nicht erweitern. Aber womit ernähren sie sich hier? Was glauben wir? Tatsächlich... Ob sie Kannibalismus betreiben? Das nicht, aber die grösseren fressen schon die kleineren. Das kann aber doch nicht ganz reichen, oder? Nein, es gibt auch Vegetarier. Aber was fressen die? Sauerstoff... das reicht nicht. Mineralien... nein, können Tiere nicht. Moos... gibt es hier nicht, braucht Licht. Flechten... nein, braucht auch Photosynthese. „Hier, schauen Sie mal!“ Er leuchtete an die Decke. Tatsächlich! Feine Wurzelchen! Hätten wir auch nicht gesehen – wie vieles andere auch nicht.

An einer Stelle zweigte ein Nebengang ab, ein sogenannter Katzengang: nur eine Katze könnte sie aufrecht begehen, der Mensch nur auf den Knieen, teilweise auf dem Bauch. Nun wolle er uns zeigen, wie Höhlenforscher ihre Tätigkeit ausüben, wir gehen hier, einer nach dem anderen, durch; er garantiere natürlich, dass man am anderen Ende wieder rauskommt. Wer nicht will, muss natürlich nicht, es sei aber eine interessante Erfahrung. Noch Fragen? Nein? Also, dann, wer mache den Anfang?

Betretenes Schweigen.

Er geniesse die Stille jeweils in diesem Moment, sagte er nach einer als sehr lange empfundenen Pause – das war natürlich nur ein Scherz. Sie planen zwar auch solches, aber nur mit ganz kleinen Gruppen, die dann auch entsprechende Schutzkleidung, Knie- und Ellbogenschoner bekommen sollten; noch sei es aber nicht soweit.

Wir gingen bis zu der Stelle, wo die alte Frau eingebrochen war. Da sah man auch, dass es drei Gänge übereinander gibt. Vielleicht auch mehr, sie benutzen aber nur natürliche Durchbrüche, bohren kommt nicht in Frage, es muss alles so erhalten bleiben wie von der Natur erschaffen.

Auf dem Rückweg machten wir noch einmal einen längeren Halt. Er schickte uns an eine Seite des Ganges, da konnte man auf einer Art natürlich entstandener, langer „Bank“ halb sitzen. (Wie diese Absätze entstehen, hatte er auch schon erklärt; interessant.) Nun machen wir ein anderes Experiment, sagte er. Wann, wo erlebt der heutige Mensch schon absolute Dunkelheit und totale Stille? Fragte, ob jemand im Dunkeln Angst habe, das komme vor allem bei Frauen vor. Wer will, kann neben ihm sitzen, gestern zum Beispiel sass er mit zwei Norwegerinnen da, das war ganz schön.

Niemand? Na, gut, dann sollen wir jetzt unsere Lampen löschen. Es dauerte eine Weile, bis der letzte Schalter gefunden wurde; dann löschte der Führer auch seine Lampe. Ja. Absolute, totale Dunkelheit. Auch nicht das geringste Geräusch. Nichts. Eindrücklich. So absolut haben wir es nicht einmal auf hoher See erlebt, meistens sah man wenigstens einige Sterne, den Widerschein der eigenen Positionslichter – hier nichts. „So verbringt ein Blinder das ganze Leben“, sagte er nach einer Weile. Wenn sie ihrer Forschungs- und Vermessungsarbeit nachgehen, müssen sie von Zeit zu Zeit eine Pause machen, ist ja ermüdend, dann löschen sie auch ihre Lichter; Licht ist kostbar, sie müssen damit sparsam umgehen.

Nach einer Weile sagte er, jetzt machen wir ein weiteres Experiment: wir suchen im dunkeln den Ausgang. Es sind nur etwa zwanzig Meter, bis wir etwas Tageslicht erblicken. Wir sollen uns unbedingt der Wand entlang tasten, ja nie die Wand verlassen! Den Kopf können wir hier nirgends mehr anschlagen, auch nicht stolpern; wir müssen natürlich die Füsse immer schön hoch heben. „Also, steht auf, macht euch bereit! Blinde wären da natürlich im Vorteil, ihre andere Sinne sind ja viel schärfer. So, es geht los, drei, zwei, eins“ – und dann machte er seine Lampe an. War der letzte Scherz. Diesmal haben es wohl alle geglaubt.

Wieder draussen, nahmen wir einen anderen Weg zurück. Er erzählte noch mehr von Bäumen und Pflanzen. An einer Stelle gab es ein Dreschplatz, noch von den Guanchen, den Ureinwohnern. Sie hatten schon Getreide angebaut, ursprünglich haben auch sie den Gofio erfunden, Mehl aus geröstetem Getreide (ursprünglich Gerste, heute auch andere Getreidearten, Mais, Hülsenfrüchte), was heute noch in der kanarischen Küche für alles Mögliche verwendet wird. Wäre auch für Touristen ein viel sinnvolleres Mitbringsel als ein Aschenbecher, auf der einen Seite mit einem Delphin, auf der anderen einem Thermometer dran.

Seine zwei braven, lustigen Hündchen, die er vor dem Höhleneingang zurückgeschickt hatte, liefen uns glücklich entgegen.

Unten bedankten wir uns, es gab Applaus, nahmen dann unsere eigene Autos; unterwegs gab es noch Kaffee und Kuchen. Und das Gefühl, etwas reicher geworden zu sein – ist die Natur, unsere Insel nicht wunderbar?

Ach, noch der Name: Cueva del Viento, Höhle des Windes – wieso? Weil es dort immer eine Luftströmung gibt, was beweist, dass es noch andere Öffnungen geben muss, wenn auch vielfach nur schmale Spalten, wo kein Mensch durchpasst. Heute nur schwach, weil Innen- und Aussentemperatur beinahe gleich waren – je mehr Temperaturunterschied, um so mehr viento.
Tamás ist offline  
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SanLorenzo4 (20.02.2021), Tex_man (26.02.2021)
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Alt 20.02.2021, 19:47
Mencey
 
Benutzerbild von Achined
 
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Die cueva ist seit heute wieder geöffnet.
Mit begrenzter Kapazität und Vorausbuchung auf der Webseite
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Es lebe die S-Bahn.
Oder wie die Spanier sagen:
"Viva S-Bahn, ja!!!"
Achined ist offline  
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Kaleika (20.02.2021), Tex_man (26.02.2021)
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