Teneriffas traditionelle Wasserinfrastruktur verbindet den Untergrund mit landwirtschaftlichen Flächen, Siedlungen und Einrichtungen des täglichen Lebens. Ihren Ausgangspunkt bilden häufig Galerías: nahezu horizontal in den Untergrund vorgetriebene Stollen, die Grundwasser erschließen. Innerhalb des Stollens wird das Wasser über einen Kanal oder eine Rohrleitung bis zur Bocamina, dem Eingang der Galerie, geführt.
Von dort gelangte es über ein weit verzweigtes System aus Kanälen und Leitungen weiter. Die traditionellen Wasserwege transportierten Wasser aus Galerías, Quellen und anderen Fassungen über größere Entfernungen zu Feldern, Siedlungen und weiteren Verbrauchsstellen. Besonders in landwirtschaftlich geprägten Gebieten sind diese Anlagen bis heute ein prägendes Element der Kulturlandschaft.
Was ist eine Galería?
Der Begriff Galería bezeichnet auf Teneriffa in erster Linie eine unterirdische Wasserfassung – nicht den offenen Kanal, der das Wasser anschließend weiterleitet. Der Consejo Insular de Aguas de Tenerife unterscheidet unter anderem zwischen Galerías-naciente, Socavones, Galerías-pozo beziehungsweise Galerías en trancada sowie konventionellen Galerías.
Konventionelle Galerías sind im Durchschnitt etwa drei bis vier Kilometer lang. Zahlreiche Anlagen überschreiten fünf Kilometer, einzelne erreichen mehr als sechs Kilometer. Ihre Auffahrung erforderte erhebliche technische und körperliche Anstrengungen. Die Arbeiten waren historisch gefährlich; für Anaga werden insbesondere die harten Arbeitsbedingungen und die Risiken beim Einsatz von Sprengstoff hervorgehoben.
Eine Gesamtzahl aller Galerías wird in verschiedenen Unterlagen und Inventaren jeweils nach deren Erfassungsstand und Abgrenzung angegeben. Da sich die Zählweisen unter anderem auf aktive, aufgegebene oder historisch begonnene Anlagen beziehen können, lässt sich daraus keine zeitunabhängige Bestandszahl ableiten.
Von der Galería zur acequia
Für die Weiterleitung des Wassers gibt es auf Teneriffa verschiedene Bezeichnungen. Eine acequia, eine atarjea oder ein bajante sind nicht einfach andere Wörter für eine Galería. Die Galería erschließt das Wasser unterirdisch, während acequias, atarjeas und bajantes unterschiedliche Formen der ober- oder hangseitigen Weiterleitung bezeichnen. Der Sammelbegriff canal kann je nach Zusammenhang ebenfalls verschiedene Leitungsformen umfassen.
Die historischen Hauptkanäle waren typischerweise offene, rechteckige Leitungen mit relativ geringer Neigung. Abgänge von Galerías bestanden häufig aus schmalen offenen Mauerwerkskanälen, die entlang steiler Geländelinien verliefen.
Bei den Materialien kamen unter anderem Stein und Mörtel zum Einsatz. Historische Leitungen bestanden teilweise auch aus ausgehöhlten, miteinander verbundenen Kanälen aus Teakiefernholz. Später wurden offene Kanäle aus Mauerwerk, Kalkmörtel und Beton verwendet.
Die Entwicklung seit dem späten 19. Jahrhundert
Die großflächige Auffahrung von Galerías begann auf Teneriffa vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Für Anaga werden Galerías und Kanäle seit dem Ende des 19. Jahrhunderts beschrieben. Einzelne lokale Wasserfassungen reichen jedoch deutlich weiter zurück. Im Umfeld von Monte Aguirre wurde Santa Cruz de Tenerife laut offizieller Darstellung bereits seit 1706 mit Wasser versorgt.
Die neuen Wasserfassungen und Leitungen veränderten die Möglichkeiten der Landwirtschaft. Galerías und Kanäle ermöglichten eine Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen und standen im Norden und Süden Teneriffas in engem Zusammenhang mit dem Anbau von Exportkulturen, insbesondere von Bananen.
Das Wasser diente außerdem nicht nur der Bewässerung. Es speiste Mühlen, öffentliche Waschplätze, Tränken und weitere Einrichtungen der lokalen Versorgung. Dadurch konnte eine Wasserfassung beziehungsweise ein Wasserlauf mehrere Funktionen erfüllen.
Anaga: Kanäle über Tunnel und Brücken
Im stark reliefierten Anaga zeigen sich die technischen Herausforderungen besonders deutlich. Kanäle und Atarjeas führten das Wasser von den Galerías über Tunnel und Brücken durch das zerklüftete Gelände bis zu den Feldern und teilweise bis in die Stadt.
Die Wasserwege verbanden damit schwer zugängliche Bereiche des Gebirges mit landwirtschaftlich genutzten Flächen und Siedlungen. In der Landschaft erinnern solche Trassen an den Aufwand, der mit der Gewinnung und Weiterleitung von Wasser unter den topografischen Bedingungen Teneriffas verbunden war.
Ein konkretes Beispiel ist die Galería del Llano de los Viejos. Nach Angaben der Reserva de la Biosfera ist sie etwa 800 Meter lang. Im Inneren befinden sich seitliche Quellaustritte sowie kleine Staubecken, die als Tanques bezeichnet werden und der Sammlung des Wassers dienen.
Monte Aguirre und der Barranco de Tahodio
Im Umfeld von Monte Aguirre werden mehr als 30 Wasser-Galerías genannt. Die offizielle Darstellung verbindet diesen Bereich mit der Versorgung von Santa Cruz de Tenerife, die dort bereits seit 1706 begonnen haben soll.
Der Barranco de Tahodio wird ebenfalls als historischer Raum mit Wasseranlagen und Galerías genannt. Die Angabe von mehr als 30 Wasser-Galerías bezieht sich dabei auf das Umfeld von Monte Aguirre und nicht pauschal auf die zusammengefasste Region Monte Aguirre und Barranco de Tahodio.
Das Beispiel macht deutlich, dass die Wasserinfrastruktur nicht ausschließlich der Landwirtschaft diente. Sie war ebenso für die Versorgung städtischer Räume von Bedeutung. Galerías, Sammelanlagen und Leitungen bildeten dabei zusammen ein System, in dem Wasser aus dem Untergrund über längere Strecken zu den Verbrauchsstellen gelangte.
La Orotava: Wasser für Mühlen, Waschplätze und Felder
In La Orotava lässt sich die Verbindung zwischen Wassertechnik und Alltagsleben besonders anschaulich nachvollziehen. Das Wasser aus Galerías wurde unter anderem in hydraulischen Mühlen genutzt. Nach dieser Nutzung floss es durch das Kanalsystem weiter und diente anschließend der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen.
Waschplätze lagen häufig am Überlauf oder in der Nähe der Mühlen. Damit verband ein Wasserlauf unterschiedliche Bereiche des täglichen Lebens: die Verarbeitung, die Versorgung und die Landwirtschaft. Die Kanäle waren deshalb nicht nur technische Bauwerke, sondern Teil der Nutzung und Organisation der wassergeprägten Kulturlandschaft.
Historische Wasserlandschaften dieser Art finden sich auch im Zusammenhang mit La Guancha und weiteren Gebieten im Norden Teneriffas. Dort stehen Galerías und Kanäle ebenfalls für die Entwicklung einer landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft.
Ein prägendes Element der Kulturlandschaft
Der Cabildo de Tenerife beschreibt Leitungen als ein klar erkennbares kulturelles Landschaftselement. Besonders in landwirtschaftlich geprägten Gebieten strukturieren sie die Umgebung und machen sichtbar, wie Wasser gewonnen, verteilt und genutzt wurde.
Dabei wirken mehrere Ebenen zusammen: die unterirdische Erschließung durch die Galería, die Weiterleitung in offenen Kanälen, die Nutzung in Mühlen oder Waschplätzen und schließlich die Bewässerung der Felder. Galerías und Kanäle stehen damit auch in Verbindung mit der Entwicklung der Landwirtschaft und dem Anbau von Exportkulturen auf Teneriffa.
Kein Ziel für eigenständige Erkundungen
Galerías sind keine frei zugänglichen Höhlen und sollten nicht eigenständig betreten werden. Das Inventar weist für die Anlagen unterschiedliche Zustände und Gefährdungsbewertungen aus. Außerdem weisen offizielle Informationsmaterialien darauf hin, dass der Zugang zu bestimmten Galerías geschlossen ist.
Zu den möglichen Risiken gehören Einsturzgefahr, mögliche vulkanische Gase, betriebliche Gefahren und private Eigentumsverhältnisse. Auch wenn ein Eingang sichtbar oder leicht erreichbar erscheint, lässt sich daraus keine sichere Zugänglichkeit ableiten. Die historischen Wasserkanäle und Galerías lassen sich daher am besten als Teil der Landschafts- und Kulturgeschichte betrachten – nicht als Aufforderung zur Erkundung unter Tage.
Ein unsichtbares Erbe über der Insel
Teneriffas Wasserkanäle und Galerías zeigen, wie eng Naturraum, Technik, Versorgung und Landwirtschaft miteinander verbunden sind. Unterirdische Stollen erschlossen das Wasser, offene Leitungen transportierten es über Hänge, Brücken und Tunnel, und Mühlen, Waschplätze, Tränken sowie Felder nutzten es an verschiedenen Stationen.
Von Anaga über Monte Aguirre und den Barranco de Tahodio bis nach La Orotava und La Guancha prägt dieses System die Geschichte und das Erscheinungsbild der Insel. Wer die Kanäle in der Landschaft erkennt, sieht daher nicht nur alte Bauwerke, sondern die Spuren einer langfristig gewachsenen Wasserkultur.

