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Meine Identität

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  • Meine Identität

    Ich mache mir Sorgen um meine Identität.

    Die Identität eines Menschen (oder einer Sache) ist doch die Summe der Merkmale, anhand derer wir uns von anderen unterscheiden und genau diese Identität erlaubt eine eindeutige Identifikation. Aber nicht einmal in der Natur gibt es eine Identität der identischen Dinge, sobald Zeit und Raum mitgerechnet werden.
    Den ersten Schritt zu meiner persönlichen Identifikation machten meine Eltern, die sich nach monatelangen, heftigen Diskussionen letztendlich doch gütlich auf einen Vornamen einigten. Irene-Christine sollte das Mädchen heißen. Sonderbarer Weise wurde ich in meiner Kindheit jedoch immer nur „Gucki“ genannt.
    Dann musste ich lernen mich mit meinem Geschlecht zu identifizieren. Uns Mädchen wurden Schleifen ins Haar gebunden, Röckchen und Blüschen angezogen, wir bekamen Puppenbaby´s und Spielzeug-Küchen geschenkt und wurden auf den Status der Frau vorbereitet. Die Sorgen meines Vaters, dass ich lieber mit Hammer und Nägel spielte, mit Leidenschaft auf Bäume kletterte und so manchen Lausbubenstreich ausheckte, verstehe ich bis heute nicht.
    In der Grundschule lernte ich mich mit einem Kulturkreis zu identifizieren. Ich liebe meine Heimatstadt, die kleinen, engen Gassen der Altstadt, die Prachtbauten an der Ringstrasse, die Theater, die Museen, das Granteln und Nörgeln der Wiener an Allem und Jedem. Eigentlich alles klar - ich heiße „Gucki“ bin ein Mädchen, bin Wienerin.
    Dann heiratete ich und nahm den Namen meines Mannes an. Aus dem Mädchen wurde eine Frau und aus der Gucki die Irene-Christine. Ich hatte zwar meine Identität gewechselt aber es gefiel mir.
    Später, durch meine Reisen ins Ausland, dem Umgang mit fremden Menschen und Kulturen wurde ich zur Österreicherin, die stolz auf ihr Heimatland ist, auf die Kultur, die Geschichte und die grandiosen Menschen, die dieses Land hervorgebracht hat.
    Ich habe meine persönliche Identität in meine Berufswelt eingebracht, habe meinen Platz in der Gesellschaft eingenommen und ich wusste wer ich bin.
    Im Moment leben wir jedoch im Zeitalter der Globalisierung und die Welt wächst immer weiter zusammen. Das bedeutet einerseits, dass der kulturelle Austausch einfacher geworden ist, aber andererseits gibt es die Gefahr der weltweiten Nivellierung und Vereinheitlichung und somit bin ich heute nur noch eine Nummer. Der liebevoll gewählte Name zählt nicht mehr, denn ich kenne mittlerweile keine Stelle mehr, wo es genügt wenn ich meinen Namen sage. Ich bin eine Pass-, Sozial- und Versicherungsnummer, eine Telefon-, Konto- und Code-Nummer, eine Kreditkarten- und Zugangsnummer.
    Nun habe ich aber ein absolut schlechtes Zahlengedächtnis und bin gezwungen mir Telefonnummern, PIN- und TAN-Codes, N.I.E. und N.I.F.-Nummern aufzuschreiben. Es ist mir nicht möglich mir meine Pass-Nummer zu merken, die ich doch brauche wenn ich ein Päckchen von der Post hole, mir meinen Zugangscode für den Bankomaten zu merken und wenn ich zum Arzt muss, dann brauche ich meine Unterlagen um ihm sagen zu können wer ich bin.
    Durch die immer größer werdende Beschaffungskriminalität hier auf den Inseln, ist es nicht gerade förderlich all diese Daten mit sich herumzutragen, oder ganz einfach am Schreibtisch liegen zu lassen. Also habe ich beschlossen, mir ein Bank-Schließfach zu nehmen, wo ich meine Identität hinterlegen kann. Um jedoch in das Bank-Schließfach zu kommen, brauche ich meine Pass- und eine Kontonummer, sowie einen Zugangs-Code...........
    Ich habe in der Zeitung gelesen, dass eine österreichische politische Partei eine neue Identität sucht, vielleicht haben die auch so ein schlechtes Zahlengedächtnis wie ich
    meint Ihre Wienerin
    Irene-Christine Graf
    Nr.: XY00034578912............


    • Ulrich
      #1
      Ulrich kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      die identität eines menschen wird nicht durch zahlen definiert.

      die zahlen dienen der identifizierung, haben aber nichts mit der identität zu tun.
      sie sind notwendiges übel und werden von außen an uns herangetragen. damit muss ich mich notwenigerweise arrangieren und möglichkeiten für den umgang damit suchen (z.b. bankschließfach).

      aber meine identität finde ich, wenn ich in mich hineinhöre, mich frage wie ich mich gegenüber mir selber, meinen mitmenschen und der umwelt verhalte, meine einstellung zu den dingen ständig überprüfe und wenn nötig verändere, mich z.b. frage ob ich mich in der virtuellen welt anders verhalte als in der realen welt, meine handlungen nach gewissen prinzipien ausrichte ohne mich von prinzipien gängeln zu lassen etc. etc.

      kurz ausgedrückt: "cogito, ergo sum!"
      Zuletzt geändert von Ulrich; 02.08.2007, 10:53. Grund: edit wegen tippfehler

    • Freeman
      #2
      Freeman kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Tatsächlich, wir sind alle nur Nummern. Wie die Kühe im Stall ihre Nummer im Ohr tragen haben auch wir Nummern damit unser Besitzer der Staat uns besser handeln kann. Staatsbürger ist ein anderes Wort für Staatseigentum. Und dabei glauben die meisten der Menschen sie seien frei in einem freien Land.

    • Kai
      #3
      Kai kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Für den Staat sind wir nur Nummern, das ist richtig und auch gut so. So vermeidet man Verwechslungen mit Namensvettern. Ebenso für Banken, das dient der Sicherheit. Aber trotz Globalisierung verlieren wir nicht unsere Identität. Für unsere Leute (Familie, Freunde) sind wir die gleichen, die wir schon immer waren, mit allen Stärken und Schwächen. Und wer oder was wir für andere, außerhalb dieses Kreises sind, ist das wirklich wichtig?

      @ Freeman
      Und ich dachte ich wäre dem Staat gegenüber negativ eingestellt.

    • Freeman
      #4
      Freeman kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      Zitat von Kai Beitrag anzeigen
      @ Freeman
      Und ich dachte ich wäre dem Staat gegenüber negativ eingestellt.
      Wie er in den Wald ruft so schallt es heraus ! Liebt der Ochse sein Joch, der Wirt seinen Parasiten ?

    • Gast-Avatar
      #5
      gigi kommentierte
      Kommentar bearbeiten
      hahahahahaha:-)))

      genau.

      das hast du schoen geschrieben! ich bin jetzt schon relativ lange hier, aber immer noch verlangen sie ab und zu von mir eine nummer. und schauen mich jedesmal bloed an, wenn ich die nicht wie aus dem maschinengewehr nenne, sondern anfange mit, ausweisnummer und wenn sie die denn wollen, dann such ich mal. bei meiner bank hab ich einen sichereren zugang, als alle anderen, weil das ueber meine alte ausweisnummer geht, weil in d die die anscheinend aendern, wenn man einen neuen ausweis beantragt.
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