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Damals

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  • Damals

    Vor ein paar Tagen erhielt ich von meiner Freundin ein E-Mail in dem sie mir, detailgetreu, Szenen aus einer Wiener Beautyfarm schilderte in der sich die so genannte bessere Gesellschaft bewegt. Hier trifft man sich seit neustem, schrieb sie mir, um seinen Body Fernsehtauglich zu gestalten, um in den Klatschspalten der Zeitungen als jung und dynamisch beschrieben zu werden und – unter ihresgleichen zu sein.

    Dass Begrüßungszeremonien hier zwar mit hoheitsvoll ausgetauschten Küsschen vonstatten gehen, jedoch von, wenig dem Burgtheaterdeutsch ähnelnden, Worten begleitet werden wie „servas Jenny, hast Dein Alten heut anbracht“ hat mich noch amüsiert. Der „Alte“, dessen Namen ich hier nicht nennen will, ist übrigens eine stadtbekannte Persönlichkeit. Etwas schockiert war ich jedoch über die Schilderung einiger Szenen, in welchem Umgangston und welcher Lautstärke sich die „Damen“ über die sexuellen Leistungsfähigkeiten ihrer Partner unterhielten.

    „War das immer schon so?“ fragte ich mich. Und, ob wir Dinge die wir lieben nicht nur mit dem verzerrten Blick durch eine rosarote Brille betrachten.

    Irgendwie schleicht sich bei solchen Gedanken doch die Frage ein, ob der Gugelhupf den die Großmutter, damals als wir noch Kinder waren, gebacken hatte, wirklich der Beste war, den man je gegessen hat. Vielleicht war er wirklich gut, oder aber auch eines jener Backwerke, die man später dann, zumindest in gleicher Qualität serviert bekommen hat. Nur, in unserer Erinnerung paart sich der Geschmack dieser Mehlspeise doch mit dem Gefühl der Geborgenheit und dem unwiederbringlichen Zauber der Kindertage und entbehrt sicher jeder fachkundigen Kritik.

    War dieser Platz an der italienischen Riviera wirklich so zauberhaft, oder birgt die Erinnerung an „Damals“ nicht auch einen Hauch Sehnsucht nach der Unbeschwertheit der Jugend in sich?

    Spricht man mit älteren Menschen, so kann man oft den Glanz in ihren Augen sehen, wenn sie von vergangenen Zeiten erzählen und, dass damals halt alles besser war. Sie glorifizieren Zeiten, in denen es noch kein Internet oder Telefon gegeben hat und man sich, mit schwungvoll geschriebenen Buchstaben auf blütenweißem Büttenpapier, mitteilte. Sie erzählen von abendlichen Runden bei denen man sich halt zueinander gesetzt, geplaudert und gesungen hat und sind doch konsterniert, wenn sie die 746. Folge einer Daily Soap nicht im Fernsehen verfolgen können. Sie schwärmen von Zeiten, die sie zwar selbst nicht erlebt, die jedoch durch den Zauber so mancher Komposition von Franz Schubert in ein lieblich Licht getaucht wurden, und vergessen, dass zu dieser Zeit die Pest durch das Land gewütet ist und Armut und Hunger an der Tagesordnung waren.

    Irgendwie fühle ich mich fast ein bisserl ertappt. In meinen Gedanken hatte sich Wien als jene Stadt in der rauschende Feste gefeiert werden, man auf Schritt und Tritt der einstigen Wichtigkeit dieser Stadt begegnet und elegant gekleidete Menschen die Strassen bevölkern, breit gemacht. In meinen Gedanken besucht dort man Museen und Theater, plaudert im gepflegten Ton über gesellschaftliche Ereignisse und delektiert sich an der unvergleichlichen Wiener Küche. Und, irgendwie hatte ich das Wissen über Missstände und Menschen die absolut nicht als Zierde einer Stadt anzusehen sind, in den Hintergrund gedrängt. Manchmal braucht man schon so einen Anstoß, wie das Schreiben meiner Wiener Freundin, um auf den Boden der Realität zurückzukehren und die rosarote Brille zumindest ein wenig zur Seite zu schieben.

    Vergangenes ist wichtig, weil es uns geprägt hat und es schadet nicht, so manchem Zeitraum oder so mancher Situation einen Glorienschein zu verleihen, doch man sollte nie vergessen die Vorteile des Jetzt und Heute zu betrachten. Irgendwann einmal wird man nämlich diesem Zeitraum als Damals bezeichnen.

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