Eines der schlimmsten Unglücke der zivilen Luftfahrt jährt sich zum 40. Mal. Am 27. März 1977 starben auf Teneriffa 583 Menschen, als ein niederländischer und ein amerikanischer Jumbo-Jet auf der Startbahn kollidierten. Ursache war eine tödliche Mischung aus Missverständnissen, dichtem Nebel sowie einer hohen Verkehrsdichte nach einer Bombendrohung in Gran Canaria.
Glaube neulich gelesen zu haben, dass der damals überlebende Co-Pilot der PanAm-Maschine kürzlich verstorben ist. Der hat die Fliegerei ja nicht aufgegeben.
Immerhin hat die Aufarbeitung deses Horror-Unfalls eine Reihe wichtiger Verbesserungen z.B. in der Kommunikation im Funkverkehr bewirkt sowie auch die Einführung von Bodenradar. Einige Zeit später gab es aber trotzdem einen ähnlichen Unfall in Italien.
Mitausschlaggebend für die Katastrophe war auch die Führungs- und Unternehmenskultur bei KLM, da der an der Startfreigabe zweifelnde Co-Pilot sich nicht traute, noch stärker zu intervenieren, als sein Boss die fatale Entscheidung zum Start traf.
Ich denke, bei dem Unglück sind viele verschiedene Faktoren zusammengekommen.
Eigentlich sollten beide Maschinen, also sowohl die Pan-Am als auch die KLM auf Gran Canaria landen. Allerdings kam es an diesem Tag erst zu einer Bombendrohung auf dem Flughafen in GC, dann tatsächlich zu einer Explosion, weshalb sämtliche Maschinen auf den Flughafen TFN umgeleitet wurden. Für diese Masse an Flugzeugen, vor allem viele Jumbos, ist der Flughafen nicht wirklich ausgelegt und eigentlich viel zu klein.
Da die Wartezeit auf dem Flughafen ziemlich lang war, hat der Pilot der KLM Maschine das Flugzeug bereits auf Teneriffa betanken lassen, um ohne lange Wartezeit auf GC die Maschine direkt zurück nach Amsterdam zu fliegen. Aufgrund einer Arbeitszeitbeschränkung wäre es bei weitere Verzögerungen zu hohen Kosten gekommen, weil die Crew nicht hätte zurück fliegen können.
Nachdem der KLM Jet die Erlaubnis bekommen hatte, auf die Startbahn zu rollen war der Flughafen so voll, dass abenteuerliche Wendemanöver auf der Startbahn ausgeführt werden mussten, da die tatsächliche Fahrbahn zu dieser komplett zugeparkt war. Nachdem dann der KLM den Beginn der Startbahn stand wurde dann die Pan-Am dazu aufgefordert über die Startbahn zu rollen, dort eine Ausfahrt zu nehmen und sich dann hinter der KLM einzuordnen.
Leider war die vorgeschlagene Ausfahrt so ausgesucht, dass die Pan-Am dieses Manöver gar nicht hätte ausführen können, dazu kam, dass die Crew die vorgeschlagene Ausfahrt durch Nebel gar nicht erkennen konnte und nahm eine Ausfahrt zu spät. Im gleichen Moment fragte die KLM, ob sie eine Streckenfreigabe bekäme, dies wurde bejaht. Leider verstand der Kapitän der KLM dies als Startfreigabe und lies die Maschine starten. Eine Rückfrage des Copiloten, ob die Pan-Am noch auf der Startbahn sei, ignorierte der Pilot. Es muss in diesem Moment zu einer Funksignalüberlagerung gekommen sein, denn die Pan-Am Crew versuchte zu erklären, dass sie noch auf der Startbahn sei.
So nahm das Unglück seinen Lauf. Hätte der KLM-Pilot nicht getankt, hätte das Unglück wahrscheinlich noch verhindert werden können. Dazu kommt, dass der Pilot der KLM zwar der Chefpilot von KLM war, allerdings in der Zeit vor dem Unfall nur noch im Simulator andere Piloten ausgebildet hatte und ein bisschen "Flugrost" angesetzt hatte. Zum Simulator gehört zwar vieles, Kontakt mit dem Tower allerdings nicht.
So kamen viele unglückliche Faktoren zusammen, die allesamt zu Verbesserungen geführt haben:
1. Das Bodenradar wurde verpflichtend für internationale Flughäfen (gab es zwar vorher schon, allerdings nicht verpflichtend)
2. Die Formulierungen für den Funkverkehr wurden vereinheitlicht
3. Hierarchien in Flugzeugen wurden überarbeitet
4. Dienstzeitvorschriften bei KLM wurden geändert, um Zeitdruck zu vermindern
Sehr mitreißende Doku zu der traurigen Katastrophe, nur für Leute mit guten Nerven, basierend auf ausführlichen Analysen mit Mitwirkung von Überlebenden:
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