🌴 Wochenrückblick Teneriffa: Zwischen Rekordhitze, Proteststimmen und Sommerfreude (20.–26. Juli 2025)

Teneriffa startete in die letzte Juliwoche mit voller Hitze, gesellschaftlicher Spannung und einem breiten kulturellen Angebot – zwischen Rallyefieber, Protesten und heißen Strandnächten. Gleichzeitig spürt die Insel zunehmenden Druck durch Wasserknappheit und ungehemmten Massentourismus. Hier kommt dein umfassender Rückblick auf die wichtigsten Entwicklungen:

☀️ Wetter & Waldbrandlage: Alarmstufe Rot und unsichtbare Gefahr

Die Temperaturen bleib(en) auch in dieser Woche extrem: In einigen Orten des Südens wurden Werte über 36 °C gemessen, verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit und nur marginaler Abkühlung am Abend. Das Calima, der durch Saharastaub verursachte Dunst, führte zu eingeschränkter Sicht und einer spürbaren Verschlechterung der Luftqualität – besonders im Süden und Osten der Insel.

Die behördliche Reaktion war konsequent: Warnstufe Rot für Waldbrandgefahr wurde erneut aktiviert. Wanderungen in Schutzgebieten wie dem Anaga- und Teno-Gebirge bleiben untersagt, Grillplätze geschlossen, und Drohnen patrouillieren über potenziellen Risikozonen. Die Bevölkerung wird aufgefordert, keine Plastikflaschen, Zigarettenkippen oder Glasreste in die Natur zu werfen und erhöhte Vorsicht walten zu lassen.

🧍‍♀️ Proteste & soziale Forderungen: Tourismus mit Grenzen

Unter dem Motto „Canarias tienen un límite“ (Die Kanaren haben eine Grenze) formierte sich erneut eine wachsende Protestbewegung. Rund 2.000 Menschen demonstrierten in Puerto de la Cruz für:
  • Begrenzung von Hotelneubauten – insbesondere entlang der Küste,
  • Wassertarife für touristische Großbetriebe,
  • einen verbindlichen Inselplan für nachhaltige Entwicklung.
Parallel kündigten Gewerkschaften tägliche Streiks in Hotels – insbesondere in Adeje und Arona – flexibel geplant für den August an. Hintergrund: Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und fairer Bezahlung. Der Andrang im Tourismussektor lässt die Stimmung auch unter Beschäftigten kühlen.

🚗 Mobilität & Wohnen: Forderungen nach Infrastruktur & sozialer Balance

Ruf nach langfristiger Verkehrsstrategie wird lauter: Bürger:inneninitiativen fordern verbindliche Pläne für Tram, Parkraumkonzepte und eine Begrenzung der Zweit- und Ferienwohnungen mit Blick auf überlastete Stadtzentren.

Ein Positionspapier von Anwohner:innenvereinen wurde am 25. Juli im Rathaus in Adeje übergeben. Gefordert wird u. a.:
  • Obergrenzen für Airbnb-Angebote pro Gemeinde,
  • Klarer Vorrang für Langzeitmieter bei Wohnraumvergabe,
  • Einführung einer „Immobilienzweckentfremdungssteuer“.
Damit reagiert die Zivilgesellschaft auf steigende Mietpreise und die Übersättigung touristischer Zonen – ein wachsender Trend in der öffentlichen Debatte.

🏁 Sport & Erlebnis: Rallye-Event und Sommerparty in fester Fahrt

Ein sportlicher Höhepunkt war die 11. Rallye „Ciudad de La Laguna“ mit über 100 internationalen und lokalen Teams, darunter europäische Spitzenfahrer wie Efrén Llarena und Sara Fernández im Citroën C3 Rally2. Die anspruchsvollen Strecken rund um La Laguna begeisterten Publikum und Medien ebenso wie Hobby-Rallyefans. Die Organisation verlief reibungslos – trotz drückender Hitze.

Parallel lockten gastronomische Events wie das „Burger Fest“ in Puerto de la Cruz zahlreiche Besucher:innen – kombinierte Streetfood-Angebote, Livemusik und lokale Spezialitäten trafen auf sommerliche Feierlaune. Beach-Partys, Rooftop-Konzerte und Veranstaltungen auf Booten rundeten die Stimmung ab – nicht ohne Kritik: Viele Inselbewohner:innen vermissen mittlerweile klarere Richtlinien zur Öffnungszeit und Lärmschutz.

💧 Wasserknappheit eskaliert – Forderung nach Reform wächst

Sowohl Umweltgruppen als auch politische Entscheidungsträger:innen sprechen von einer Krise: Die letzten Reserven werden knapp, während Verbrauchszahlen in touristischen Gemeinden weiterhin hoch bleiben.

In Vilaflor, Fasnia und Arafo gilt mittlerweile der offizielle Wassernotstand: Gartenbewässerung und Poolnutzung sind untersagt. Lokale Initiativen rufen zu Wassersparen auf, fordern Parkplatzbohmen für private Pools – besonders solche unter dem Hashtag #AguaParaTodos.

Langfristige Reformen stehen auf der Agenda: Experten schlagen vor, in moderne Entsalzungsanlagen, verbesserte Infrastruktur und Regenwasserrückhaltung zu investieren. Doch Kritik entzündet sich an hohen Energiekosten und fehlender Planung. Junge Klimaaktivist:innen kritisierten die untätige Politik und fordern verpflichtende Beschränkungen für Großverbraucher.

🎨 Kultur: Kunst, Theater & Musik mit klarem Profil

Das Festival „Urbana Laguna“ brachte von 17. bis 20. Juli Künstler:innen aus Spanien zusammen – darunter Installationen, Streetfoodkunst und Performances rund um soziale Themen wie Nachhaltigkeit und Wasserknappheit. Besonders auffällig: ein 50 Quadratmeter großes Wandgemälde mit dem Titel „Agua somos“, direkt an der Avenida Trinidad.

In La Orotava überzeugte das kleine, aber feine Jazz-Festival „Jazz entre Volcanes“ mit internationalen Künstler:innen und Blick auf den Teide – nachhaltiges Kulturkonzept jenseits des Mainstreams. Zudem zog das ökologische Filmfestival in Garachico rund 1.200 Zuschauer:innen an: Dokumentarfilme zur Wasserproblematik und sozialer Gerechtigkeit lösten intensive Diskussionen aus.

🏫 Gesellschaft & Bildung: Zukunftsgedanken für junge Generationen

Das Bildungsprogramm „Agua y Futuro“ wurde weiter ausgebaut und erreichte nun Schulen in Arona, Tacoronte und San Miguel. Schüler:innen entwickelten Projekte zu Wassernachhaltigkeit, darunter eine "Mini‑Aquädukt-Installation" aus recyceltem Material und Hörspiele mit Interviews lokaler Landwirt:innen.

Ein besonderes Highlight war die Präsentation eines digitalen Luftmessgeräts, das Calima-Partikel registriert und von Jugendlichen selbst gebaut wurde. Das Projekt soll bald in allen Gemeinden installiert werden.

📌 Fazit der Woche

Teneriffa zeigte sich zwischen touristischem Hochdruck und wachsender lokaler Kraft: Während die Insel unter der Hitze und dem Druck von Wasserknappheit ächzt, formiert sich Zivilgesellschaft mit Protesten, Kulturfestivals und Bildungsinitiativen. Die Balance zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit bleibt herausfordernd – doch Veränderung ist spürbar, insbesondere durch Innovation, Bürgerbeteiligung und kulturellen Widerstand.