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    #1

    Satirischer Nachschlag

    Die Forianer die auch im anderem, nun scheinbar totem Teneriffa Forum unterwegs waren, können sich vielleicht noch erinnern das ich dort hin und wieder aus der Sächsischen Zeitung den Satirischen Nachschlag des Kabarettisten -Wolfgang Schaller- reingesetzt hatte.
    Mal sehen, ob auch in diesem Forum Interesse daran besteht:

    Bitte um eine Sommerpause fürs Denken, damit es sich erholen kann.

    Es gibt ja Unbelehrbare, die schreien ins Schweigen der Lämmer ihre Wut, auch wenn das die Hirten der Herde nicht mögen. Denn Lämmer, die wach werden, werden schnell zu schwarzen Schafen ernannt. Es genügt, mit ein paar Fragen die verordnete Meinung zu stören, um von den Meinungsmachern gemieden zu werden.

    Konstantin Wecker durfte dank seiner neuen CD wieder einmal in eine Talkrunde, und noch bevor er sein Lied sang, wies Elitejournalist Giovanni di Lorenzo vorsichtshalber darauf hin, das Lied würde Widerspruch auslösen, aber man könne ja darüber diskutieren. Es war ein poetisches Lied über den schon von Beethoven in Töne gesetzten Menschheitstraum, dass alle Menschen Brüder werden.

    Vor so viel Spinnerei musste sich der Talkmeister freilich absichern. Aber wenn es mehr Spinner gäbe, ginge es der Welt vielleicht ein bisschen besser. Vielleicht hätte irgendein Spinner mit Gaddafi und Hussein verhandeln sollen, statt sie hinzurichten ? Dann gäbe es vielleicht heute nicht dieses Chaos im Irak und Libyen. Dann gäbe es vielleicht keine mordenden IS-Terroristen, zu deren Unterstützung 2012 in einem Geheimpapier des Pentagon geraten hatte, um Assad zu stürzen.

    Das wäre doch was: Die NATO sagt ihren Generälen: Spinnt mal, wie wir der Waffenindustrie mit Frieden drohen können. Mir wäre so ein Spinner lieber als eine Frau von der Leyen, die die Lieferung amerikanischer schwerer Waffen bis vor an die russische Grenze mit Hurra begrüßt.
    Ach, würde sie doch wenigstens das neue Wettrüsten bedauern. Wieso wird eine Mutter von sieben Kindern zur Kampfdrohne? Mich friert bei ihrem Bofrostlächeln. Das sind Fragen, die gehören nicht in Talkrunden.

    Das musste auch Frau Krone-Schmalz erfahren, als sie bei Frau Maischberger versuchte, Putins Handlungen zu verstehen. Aber wieso ist ein Putinversteher ein Schimpfwort ? Wer den anderen nicht verstehen will, will keine Verständigung. Und wer keine Verständigung will, der will die Konfrontation. Ich vermute, für Frau Krone-Schmalz -selbst von Kabarettisten in der heute-Show populistisch verlacht- wird sich keine Talk-Show-Tür mehr öffnen. Das hat sie nun davon im Land der Meinungsfreiheit. Und, lieber Uwe Steimle: Du glaubtest, spät nachts in Mitternachtsspitzen könne man eine Spitze gegen Kriege der USA und Israels Gaza-Krieg wagen. Weil: Wer Kriege sät, erntet Flüchtlinge.
    Nein: Wer sich so weit in die Fernsehkamera lehnt, wird Shitstorm statt einen Fernsehpreis ernten. Denn was Steimle sagt, das ist nicht nur Kabarett.

    Na gut: Das mit dem Herrn Blatter, das war eine Sensationsmeldung. Das die Fifa plötzlich korrupt ist, hat wirklich alle überrascht. Dieter Hildebrandt formulierte schon vor zehn Jahren, aus lauter Schmiergeldern entstünde neben dem Matterhorn ein Blatterhorn. Inzwischen will der zurückgetretene Herr Blatter wieder weitertreten. Auf jeden Fall wird einer die Fifa weiter nach der Devise leiten: Im Sport muss man viel einstecken können. Aber die Sau ist durchs Dorf gejagt. Das interessiert nun keinen mehr.

    Während ich diese Kolumne schreibe, läuft im Liveticker im Stile einer Kriegsberichtserstattung der Endsieg gegen Griechenland, während von Medien unbeachtet Poroschenko in Kiew ein Gesetz beschließt, das es erlaubt, Kredite nicht zurückzuzahlen.
    Liebe Leserinnen und Leser: Solche Gedanken muss mal der Sommerwind wegwehen. Der Krieg ist noch weit weg. Uns geht es noch gut. Ich werde mir in Ostseewellen den Frust wegspülen. Und mit Lust leben. Und am Strand die Bildzeitung lesen. So lange, bis mein Gehirn nur noch aus Hohlräumen besteht. Das wird eine unbeschwerte Zeit.

    Die Kolumne stammt vom Wochenende 27.28. Juni 2015 aus der SZ
    "Ob ich morgen leben werde,
    weiß ich freilich nicht.
    Aber, wenn ich morgen lebe,
    daß ich morgen trinken werde,
    weiß ich ganz gewiß."


    G. E. Lessing

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    #2
    Herzlichen Glückwunsch zur Eintrittskarte

    Zitat von Pfote 9 Beitrag anzeigen
    Mal sehen, ob auch in diesem Forum Interesse daran besteht.
    Es wäre schön, wenn deine Idee Kinder bekäme. Kinder im Sinne - es gibt viele gute Kabarettisten mit noch mehr erwähnenswerten Werken.
    Mal sehen, ob ich ab und zu einen kleinen Beitrag dazu leisten kann. Die Politik und das Kabarett wohnen doch Tür an Tür. Und hatten damals nicht viele Anhänger des politischen Kabaretts Angst vor dem Tod dieser Veranstaltungen als die SPD die Regierungsverantwortung übernahm. Mitnichten, dann auch die Politiker der SPD machten aufzeigungswürdige Fehler - und auch die CDU/CSU taten sich schwer in der ungewohnten und so noch nie geübten Opposition. Da war noch jede Menge Musik drin.
    Algo se muere en el alma
    Cuando un amigo se va
    No me dejes aqui, mi amor
    No te vayas todavía

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      #3
      So - der Wolfgang Schaller hat seinen Urlaub an der Ostsee beendet und sich gestern wieder in der SZ mit seinem satirischem Nachschlag gemeldet. Hier ist er:

      An einen unbekannten Bekannten, den Herr Gabriel "das Pack" nannte.

      Lieber Herr Pack, Du kennst mich nicht, aber ich bin Dir schon oft begegnet. Deshalb duze ich Dich. Ich traf Dich zum ersten Mal, als Du mit deinem damals noch kleinen Sohn an der linken und mit einem Schwarz-Rot-Gold-Fähnchen in der rechten Hand "Helmut, Helmut" riefst und "Kommt die D-Mark nicht zu mir, komme ich zu ihr!". Die D-Mark kam, das hatte Helmut versprochen. Weißt Du noch, wie Du am Einheitstag mit einem Sektglas in der Hand "Einigkeit und Recht auf Freiheit" sangest?

      Ich bin mit Dir am 2. Oktober in einem Land eingeschlafen und am nächsten Morgen in einem anderem Land aufgewacht. Wir waren beide Flüchtlinge, ohne einen Schritt aus dem Haus gegangen zu sein. Flüchtlinge ohne Flucht sozusagen. Es ist an der Zeit, unseren Freunden aus den westlichen Bruderländern mal Danke zu sagen, das sie vor 25 Jahren 17 Millionen Wirtschaftsflüchtlinge aufgenommen haben. Du hattest nun endlich Deine Banane und kannst heute gar nicht verstehen, warum Menschen aus Ländern, wo die Bananen vor der Haustür wachsen, zu uns flüchten.

      Dich trieb damals die Sehnsucht nach den bunten Katalogen ins Paradies. Blöderweise warst Du ein Jahr später arbeitslos. Das hatte Dir Helmut nicht versprochen. Deshalb hast Du ihn ein Jahr später mit Eiern beworfen. Du hattest nun den Kapitalismus samt Freiheit, aber ohne Geld war für Dich die Freiheit der reinste Kapitalismus, während für die, die viel Geld hatten, der Kapitalismus die reinste Freiheit war.

      Das fandest Du ungerecht. deshalb bist Du nicht wählen gegangen. Aus Protest gegen die Politiker. Aber die Politiker haben Deinen Protest gar nicht bemerkt. Das hat Dich wütend gemacht.

      Vor einem Jahr hast Du zum ersten Mal ein Kopftuchmädchen über den Altmarkt strömen sehen. Dich hatte schon der Herr Sarrazin bei seiner Lesung in der überfüllten Dresdner Messehalle gewarnt, dass Kopftuchmädchen eine mindere Rasse sind. Und da hast Du Dich gefürchtet, denn Du kanntest diese fremden Kopftuchmädchen nicht. Wir kannten ja im Osten nur die Russen. Du dachtest, das Kopftuchmädchen will Dir den Arbeitsplatz wegnehmen, obwohl Du gar keine Arbeit hattest.

      Deshalb warst Du froh, Dich jeden Montagabend ins spazieren gehende Volk einreihen zu können. Da warst Du mit Deiner Wut nicht mehr allein. Du hattest sogar unseren Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich an deiner Seite, als er sagte: Der Islam gehört nicht zu Sachsen. Aber weil der Name Stanislaw auch nicht so ganz zu Deutschland gehört, hast Du vor ein paar Tagen auch den Stanislaw beschimpft und die Frau Merkel, weil die Dich beschimpft hatten. Obwohl Du doch gar nicht den Stein gegen die Flüchtlingsbusse geworfen hast, denn Du hast Rücken und kannst Dich gar nicht nach Steinen bücken.
      Du hast nur daneben gestanden und geklatscht, als die Steine flogen. Das hattest Du schon in Rostock und Hoyerswerda geübt, in Solingen und Mölln, und weil mein Freund aus Hintertux geografisch nicht ganz fit ist, sagt der: Dich gibt es nur in Sachsen. Ich verstehe, dass Du sauer bist.
      Der Herr Seehofer ruft seit Jahren: Weg mit den Asylschmarotzern! Und: Wir sind nicht das Sozialamt der Welt! Und wenn Du das nun rufst, bist Du gleich ein Nazi. Der Herr Seehofer nicht. Da hast Du schon mal auf einen Politiker gehört, und dann gab es nur Undank dafür.

      Lieber Herr Pack: Ich besitze ein vergilbtes Foto, da sitze ich als belocktes Kind auf einem Leiterwagen, und meine Mutter zieht mich raus aus Breslau, als der beleuchtete Himmel so schön aussah. Das sind Christbäume, sagte meine Mutter, obwohl gar kein Weihnachten war. Wir wollten weg von den Bomben. Aber dort, wo wir hinwollten, wollten sie uns nicht. Die nehmen uns doch nur alles weg, wo wir selbst nichts haben, schrie uns einer entgegen.

      Er sah aus wie Du. Du warst immer schon da. Du hast immer schon geschrien. Aber Deine Schreie werden sie nicht aufhalten. Sie werden über alle Mauern klettern, aus den Ländern, deren Armut uns half reich zu werden. Sie werden ein Stück von unserem Kuchen haben wollen, den wir auf ihre Kosten gebacken haben. Wir haben mit unseren Hühnerabfällen ihre Lebensmittelindustrie zerstört, mit unseren Altklamotten ihre Textilindustrie, wir fischten ihre Seen leer. Wir haben ihnen Kriege gebracht, im Kosovo, im Irak, in Syrien, und wir haben nicht dagegen protestiert, obwohl wir wussten: Wer Kriege sät, wird Flüchtlinge ernten. Es wird eine Völkerwanderung sein. Und die Politiker werden weiter zu feige sein, uns das zu sagen.
      Millionen Asylanten. Ich habe Angst davor wie Du. Aber ich habe auch Angst vor Dir.

      Ich mach mal einen Vorschlag: Wir nennen sie nicht mehr Asylanten. Sondern Menschen. Und dann nennt Dich keiner mehr Pack. Ist das fürs Erste okay?
      Neandertaler Gefällt mir
      "Ob ich morgen leben werde,
      weiß ich freilich nicht.
      Aber, wenn ich morgen lebe,
      daß ich morgen trinken werde,
      weiß ich ganz gewiß."


      G. E. Lessing

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        #4
        Den -Satirischen Nachschlag- aus der Sächsischen Zeitung habe ich dieses Mal verpasst. Wir waren im Urlaub und geben da die Zeitung an Einrichtungen für Bedürftige weiter.
        Deshalb heute mal etwas von -Uwe Steimle- ein Kabarettist aus Dresden, der sich öfter mal die Gusche verbrennt:

        https://www.youtube.com/watch?v=4BZiM4NHbzU
        "Ob ich morgen leben werde,
        weiß ich freilich nicht.
        Aber, wenn ich morgen lebe,
        daß ich morgen trinken werde,
        weiß ich ganz gewiß."


        G. E. Lessing

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          #5
          Hier ist noch etwas über die Ausländer mit Uwe Steimle und Tom Pauls.
          Die Aufnahme stammt übrigens aus 1997 und ist seltsamerweise auch gerade jetzt aktuell:

          https://www.youtube.com/watch?v=Hj_p04mS1uU
          "Ob ich morgen leben werde,
          weiß ich freilich nicht.
          Aber, wenn ich morgen lebe,
          daß ich morgen trinken werde,
          weiß ich ganz gewiß."


          G. E. Lessing

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            #6
            Aus der Sächsischen Zeitung von heute Freitag, den 30. Oktober 2015

            Besorgte Gutmenschen und besorgte Bürger und ich dazwischen.

            Es ist Krieg, sagt der alte Mann, als er die endlosen Flüchtlingstrecks sieht. Der alte Mann hat Angst. Die kann ihm keiner nehmen. Angst ist ein Menschenrecht. Was wollen denn die ganzen Moslems in unserer christlichen Kultur?, fragt ein besorgter Bürger. Der Herr Gauck kann sie ja zwangstaufen lassen, sagt der Satiriker. Menschen rufen: Willkommen! und schenken den Flüchtlingskindern Teddybären. Das sind die guten Menschen. 60 Millionen sind gegenwärtig in der Welt auf der Flucht. Aber wer hat 60 Millionen Teddybären?

            Wir schaffen das. Jeder Dritte will Frau Merkel abwählen. Ein besorgter Bürger will sie hängen. Das ist deutscher Galgenhumor. In der Semperoper singt -Sarastro "In diesen heilgen Hallen kennt man die Rache nicht". Ein Stargast bedauert vor der Semperoper, dass es keine KZs mehr gibt. Volksverräter! Volksverräter! Die Schreie sind laut. Der Kehlkopf siegt über den Kopf.
            Die Kanzlerin hatte für einen kurzen Augenblick eine menschliche Regung. Das war ihr Fehler. Politiker und menschliche Regung geht nicht. Wenn die Eisberge tauen, gibt es eine Klimakatastrophe. Als Frau Merkel das Flüchtlingselend so nah sah, taute sie. Das wurde für sie zur Katastrophe.
            Als das Flüchtlingselend noch weit weg war, schaute sie eisig weg. Denn die Krieger, die den Irak und Syrien und Libyen zerbombten, waren ihr nah. Wir haben Übung im Wegschauen. Ich liebe euch doch alle! Alle Flüchtlinge. Die lachende Kanzlerin mit einem Moslem auf einem Selfi. Wir schaffen das.
            Die es nicht schaffen, ersaufen im Mittelmeer. Alle Menschen werden Brüder. Moslems finden in Sachsen nie eine Heimat, sagt im Landtag ein christlicher Fraktionsvorsitzender. Weil sie es schwer haben bei uns, sagt der Satiriker, weil es bei uns Schweinefleisch gibt und Alkohol und keine Jungfrauen.
            Auf einer Kundgebung schreit ein AfD-Chef in die Menge nach einem tausendjährigen Deutschland. Die besorgniserregenden Bürger schreien zurück. Wir wollen keine Moslems. Als der alte Mann jung war, hieß das: Kauft nicht beim Juden. Ein Pfarrer erhält Morddrohungen. Er ließ Flüchtlingskinder mit seinen Kindern spielen. Dich Schwein kriegen wir. Es wird dunkel. Der Hass ist aufgegangen. So viele Ausländer, sagt der besorgte Bürger, wir Deutschen sterben aus! Dann pimpert doch, sagt der Satiriker, ab in die federn mit Mutti, du kannst ja dabei an was Schönes denken.

            Einer hat Angst, dass die Stimmung kippt. einer will, dass die Stimmung kippt. Hast du keine Sorgen?, fragt mich ein besorgter Bürger. Dass sie nach jeder Wahl mit uns machen, was sie wollen, obwohl sie vor jeder Wahl versprechen zu machen, was wir wollen? Dass sie uns in einen Krieg gegen Russland ziehen? Dass die Armen ärmer werden, weil die Reichen reicher werden? Doch sage ich. Politiker in den Gulag!, reimt ein Besorgter auf seinem Pappschild.

            Ein anderer ist noch besorgter: Die Schlinge für euch ist schon geknüpft. Merkst du nicht, wem du hinterher läufst?, frage ich. Wir haben Übung im Hinterherlaufen. Das ist mir egal, sagt der besorgte Bürger, ich habe Wut! Ich habe auch Wut, sage ich. "Wir wollen Recht für das deutsche Volk. Und wenn man uns dieses Recht nicht gibt, fordern wir es mit der Faust!"
            Weißt du, wer das gesagt hat?, frage ich den besorgten Bürger. Der sagt: Ist mir egal. Ich habe Wut. Goebbels, sage ich. Komm mir nicht so, sagt der besorgte Bürger mit seiner Wut: Mir nutzt eure Globalisierung nichts und euer Wachstum, was belästigt ihr mich mit euren Börsennachrichten, mein Dax steigt nicht, eure Lehre ist meine Leere im Portmonee, euch bedroht kein Flüchtling, mir nimmt er morgen den Arbeitsplatz, raus mit den islamischen Invasoren, ich bin das Volk!
            Ich auch, sage ich dem besorgten Bürger: Demonstriere in Frankfurt gegen die Banken oder vor dem Kanzleramt, aber nicht gegen die, die noch schwächer sind als du, das ist erbärmlich! "Wir befinden uns im Krieg" ruft Frau Festerling und fordert zur Meuterei auf. So hat es schon einmal angefangen, sagt der alte Mann.

            Die Flüchtlingsströme strömen. Haltet sie auf, ruft Seehofer. Was sollen wir tun, fragt der alte Mann. Schießen? Ein guter Mann ruft nach Teddybären. Irgendwo brennt ein Flüchtlingsheim. Irgendwann brennt ein Flüchtling. Der Satiriker schweigt. Georg Schramm schweigt schon lange. Volker Pispers kündigt Schweigen an. Es hat keinen Zweck mehr, Lieder zu machen, sang Georg Kreisler. Georg Kreisler ist tot. Dieter Nuhr lebt. Ein bisschen Spaß muss sein. Ich versuche zu schreiben. Warte nur, balde schweigest du auch.


            Am Dienstag werden wir in die Herkuleskeule gehen und das neue Programm:
            -Die Zukunft lügt vor uns- anschauen. Einen Großteil der Texte dafür hat Wolfgang Schaller geschrieben. Es wird bestimmt ein interessanter Abend.
            "Ob ich morgen leben werde,
            weiß ich freilich nicht.
            Aber, wenn ich morgen lebe,
            daß ich morgen trinken werde,
            weiß ich ganz gewiß."


            G. E. Lessing

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              #7
              Aus aktuellem Anlass hier mal ein Werk mit Andreas Rebers:

              https://www.youtube.com/watch?v=TNyc3ItkSFY
              "Ob ich morgen leben werde,
              weiß ich freilich nicht.
              Aber, wenn ich morgen lebe,
              daß ich morgen trinken werde,
              weiß ich ganz gewiß."


              G. E. Lessing

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                #8
                Aus der SZ von heute:

                Bericht von einer Reise, von der ich eigentlich nicht berichten wollte.

                Erst als ich im Flugzeug den Gürtel abschnallte, bemerkte ich, dass ich auf meiner Brille geschlafen hatte, deren Drahtgestell nun einer Skulptur von Tinguely glich. Auf der Gangway trat ich in die wassergeschwängerte Tropenluft, die meine Brille sekundenschnell beschlug, so dass ich seit diesem Augenblick nicht mehr klar sah. Pegidafreunde werden das kennen: Man geht in der klaren Luft spazieren und sieht trotzdem nicht durch.

                Dies alles wollte ich hinter mir lassen: den Mief einer Stadt, die ich liebe. Nicht ahnend, dass mir noch am selben Tag abends, als mich die Schwüle nicht schlafen ließ und ich durch ein paar Kanäle zappte, CNN die Bilder sächsischer Wutbürger ins Saigoner Hotelzimmer schicken würde. Dresden war endlich weltberühmt. Ich zappte verärgert einen Kanal weiter und landete in einer Kostprobe vietnamesischer Folklore, die kaum besser verdaubar war als deutscher Musikantenstadel. Also rief ich noch einmal unseren vietnamesischen Freund Luk an, der dann in der immer noch warmen Nacht mit mir und B die Einkaufsstraße Dong Khoi entlang -"bummelte"- träfe es nicht ganz inmitten des Lärms Hunderter Motorräder und Tuk-Tuk-Rikschas und von Barlautsprechermusik und Fußballgeschrei aus Fernsehern, die Schweini in voller Aktion zeigten.

                Wir zogen uns in ein kleines Bistro zurück, um die berühmte Nudelsuppe zu probieren. Aber versuchen sie mal, Suppe mit Stäbchen bei beschlagener verbogener Brille zu essen. Luk lachte, und es war mein Fehler, ihm mit meiner Sympathie für Onkel Ho gefallen zu wollen: Luk begann nach dem dritten Bier über den Krieg zu erzählen, den er nahe Son My überlebt hatte im Unterschied zu drei Millionen in Napalmregen und Bombenhagel Getöteter. Ich wollte die Gräuelbilder loswerden, schaltete im Hotel auf Folklore, und eigentlich nur durch einen versehentlichen Knopfdruck auf der Fernbedienung landete ich noch mal auf CNN, wo Menschen panisch durch Pariser Straßen rannten im Geheul von Blaulichtsirenen. In der Nacht half mir eine Schlaftablette.

                Am nächsten Tag erfuhr ich, womit Frankreich in Syrien antwortete. Bomben. Was war die Antwort der Amerikaner in Afghanistan? Bomben. Und im Irak? Bomben. Und die Engländer und Franzosen in Libyen? Bomben. In dem vom Westen geführten Krieg gegen den Terror bisher über eine Million weggebombte Zivilisten, Kinder, Schulen, Krankenhäuser. Sind wir die Opfer? Sind wir die Täter? Der französische Expräsident Sarkozy sagte nach den Pariser Anschlägen, jetzt werde Frankreich Krieg führen, und zwar einen totalen Krieg. Was den totalen Krieg betrifft: Der ist schon einmal total schief gegangen.

                Das schreibe ich heute. Nach einer Reise, über die ich nicht schreiben wollte. Und wenn, dann über dieses junge Saigon, in dessen wuselnder jugendlicher Geschäftigkeit ich dachte: Das ist die Zukunft. Ich ging mit B durch die Hallen des Marktes Cho Benh Thanh, ein Marktweib legte im Vorübergehen ihre Hand auf meinen Bauch. Luk erklärte, ein europäischer Buddha brächte Glück. Ich nickte zweifelnd und zog meinen Bauch ein.

                Jetzt sitze ich zu Hause vorm Fernseher. Überall schlägt die Stunde der Anheizer. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Unser Bundespfarrer ruft: Wir sind im Krieg!, als könnte er es nicht erwarten, dass die Tornados aufsteigen. Die Angst geht um. Die Panikmacher haben Konjunktur. Und ich? Ich mach einfach nicht mit. Die Angst besiegen ist das Einzige, womit ich den Terror besiegen kann, damit er mich nicht besiegt. Ich hab mir aus Vietnam Kaffee mitgebracht. Eine besondere Sorte. Die Bohnen werden von Wieseln gefressen und wieder ausgeschieden. Der Genuss, verspricht die Werbung, bringt inneren Frieden. Ich versuche, mein Brillengestell gerade zu biegen...
                "Ob ich morgen leben werde,
                weiß ich freilich nicht.
                Aber, wenn ich morgen lebe,
                daß ich morgen trinken werde,
                weiß ich ganz gewiß."


                G. E. Lessing

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                  #9
                  Zitat von Pfote 9 Beitrag anzeigen
                  Aus der SZ von heute:

                  Bericht von einer Reise, von der ich eigentlich nicht berichten wollte.

                  Erst als ich im Flugzeug den Gürtel abschnallte, bemerkte ich, dass ich auf meiner Brille geschlafen hatte, deren Drahtgestell nun einer Skulptur von Tinguely glich. Auf der Gangway trat ich in die wassergeschwängerte Tropenluft, die meine Brille sekundenschnell beschlug, so dass ich seit diesem Augenblick nicht mehr klar sah. Pegidafreunde werden das kennen: Man geht in der klaren Luft spazieren und sieht trotzdem nicht durch.

                  Dies alles wollte ich hinter mir lassen: den Mief einer Stadt, die ich liebe. Nicht ahnend, dass mir noch am selben Tag abends, als mich die Schwüle nicht schlafen ließ und ich durch ein paar Kanäle zappte, CNN die Bilder sächsischer Wutbürger ins Saigoner Hotelzimmer schicken würde. Dresden war endlich weltberühmt. Ich zappte verärgert einen Kanal weiter und landete in einer Kostprobe vietnamesischer Folklore, die kaum besser verdaubar war als deutscher Musikantenstadel. Also rief ich noch einmal unseren vietnamesischen Freund Luk an, der dann in der immer noch warmen Nacht mit mir und B die Einkaufsstraße Dong Khoi entlang -"bummelte"- träfe es nicht ganz inmitten des Lärms Hunderter Motorräder und Tuk-Tuk-Rikschas und von Barlautsprechermusik und Fußballgeschrei aus Fernsehern, die Schweini in voller Aktion zeigten.

                  Wir zogen uns in ein kleines Bistro zurück, um die berühmte Nudelsuppe zu probieren. Aber versuchen sie mal, Suppe mit Stäbchen bei beschlagener verbogener Brille zu essen. Luk lachte, und es war mein Fehler, ihm mit meiner Sympathie für Onkel Ho gefallen zu wollen: Luk begann nach dem dritten Bier über den Krieg zu erzählen, den er nahe Son My überlebt hatte im Unterschied zu drei Millionen in Napalmregen und Bombenhagel Getöteter. Ich wollte die Gräuelbilder loswerden, schaltete im Hotel auf Folklore, und eigentlich nur durch einen versehentlichen Knopfdruck auf der Fernbedienung landete ich noch mal auf CNN, wo Menschen panisch durch Pariser Straßen rannten im Geheul von Blaulichtsirenen. In der Nacht half mir eine Schlaftablette.

                  Am nächsten Tag erfuhr ich, womit Frankreich in Syrien antwortete. Bomben. Was war die Antwort der Amerikaner in Afghanistan? Bomben. Und im Irak? Bomben. Und die Engländer und Franzosen in Libyen? Bomben. In dem vom Westen geführten Krieg gegen den Terror bisher über eine Million weggebombte Zivilisten, Kinder, Schulen, Krankenhäuser. Sind wir die Opfer? Sind wir die Täter? Der französische Expräsident Sarkozy sagte nach den Pariser Anschlägen, jetzt werde Frankreich Krieg führen, und zwar einen totalen Krieg. Was den totalen Krieg betrifft: Der ist schon einmal total schief gegangen.

                  Das schreibe ich heute. Nach einer Reise, über die ich nicht schreiben wollte. Und wenn, dann über dieses junge Saigon, in dessen wuselnder jugendlicher Geschäftigkeit ich dachte: Das ist die Zukunft. Ich ging mit B durch die Hallen des Marktes Cho Benh Thanh, ein Marktweib legte im Vorübergehen ihre Hand auf meinen Bauch. Luk erklärte, ein europäischer Buddha brächte Glück. Ich nickte zweifelnd und zog meinen Bauch ein.

                  Jetzt sitze ich zu Hause vorm Fernseher. Überall schlägt die Stunde der Anheizer. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Unser Bundespfarrer ruft: Wir sind im Krieg!, als könnte er es nicht erwarten, dass die Tornados aufsteigen. Die Angst geht um. Die Panikmacher haben Konjunktur. Und ich? Ich mach einfach nicht mit. Die Angst besiegen ist das Einzige, womit ich den Terror besiegen kann, damit er mich nicht besiegt. Ich hab mir aus Vietnam Kaffee mitgebracht. Eine besondere Sorte. Die Bohnen werden von Wieseln gefressen und wieder ausgeschieden. Der Genuss, verspricht die Werbung, bringt inneren Frieden. Ich versuche, mein Brillengestell gerade zu biegen...
                  Musste heute Ihren Beitrag suchen & schreibe, damit er nicht so schnell in der Versenkung verschwindet.

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                    #10
                    Aus der SZ von gestern - Satirischer Nachschlag von Wolfgang Schaller

                    Star wars auf Erden und den Menschen kein Wohlgefallen

                    Familiärer Harmonie wegen nahm ich die Kinokarte von meinem Enkel an, schon, um seine Geduld zu belohnen, mit der er mir die philosophische Tiefe der bisherigen Star-Wars-Folgen erklärte. Da saß ich sternenkriegsfremder Opa nun 3-D-bebrillt zwischen Lichtschwerter schwingenden Popelnasen und versuchte, bei den sich auf der Leinwand dahinschlachtenden Wesen die Guten von den Bösen zu unterscheiden, während rings um mich die Fanherzen warm wurden. Ich dachte, na gut, sollen sie ihre Jedi-Ritter lieben. Solange sie auch wissen, dass Fackju nicht der Vorname von Goethe ist, ist nicht alles verloren.

                    Aber auf dem Heimweg kamen mir die Vorschauen auf die demnächst laufenden Filme in den Sinn. Blutströme wie die Elbe bei Hochwasser. Und immer wieder Kriege, bunt und laut und nicht ohne Humor, ein kesser Spruch zum Todesstoß. Und Woche für Woche ein neuer Blockbuster. Beim ersten Mal da tut´s noch weh, doch mit der Zeit so peu a peu - ob sie uns vielleicht daran gewöhnen wollen ?

                    Ich bin ja ein aussterbendes Exemplar, das in der Schulzeit mit Sprüchen wie "Nie wieder Krieg" infiltriert wurde und dem ein Pfarrer, der mich Atheistenkind oft zur Kartoffelschalensuppe einlud, die Worte "Schwerter zu Pflugscharen" lehrte. Ich weiß nicht, warum ich in diesem Augenblick an meinen Bundespfarrer dachte, der die Zeit der militärischen Zurückhaltung für beendet erklärte. Oder war es unsere Heerführerin ? Oder war´s die Kanzlerin ? Ich habe in diesem ganzen Jahr nicht mehr durchgesehen, wo wir die deutsche Speerspitze hinschicken müssen, in die Ukraine und nach Estland, um unseren amerikanischen Freunden beizustehen, die dort zu Hause sind, oder doch lieber gleich Richtung Stalingrad, weil die Älteren unter uns noch den Weg kennen ? Oder nach Mali ins ferne Afrika, das laut unserer Truppenursel "unser direkter Nachbar" ist ?

                    Als ich an jenem friedvollen Weihnachtsabend aus dem Kino kam, teilte mir der Nachrichtensprecher mit, deutsche Awacs-Flieger flögen in die Türkei, weil doch der lupenreine Demokrat Erdogan unser Verbündeter ist, und dafür brauche man kein Bundestagsmandat. Wozu auch, wo doch schon der Tornadoeinsatz in Syrien schneller durch den Bundestag gejagt wurde, als ein Hartleibiger vom Klo kommt. Aber schließlich müssen wir ja unserem französischen Freund Hollande einen Gefallen tun, der von George Bush gelernt hat, wie man Kriege führt, der also nichts gelernt hat. Und dem wir wie Schlafwandler folgen, um mit dabei zu sein beim Bomben, zumindest beim Entdecken der Ziele für die Bomben, obwohl wir im Krieg kein Ziel erkennen. Höchstens, dass mal ein Bomber aus Russland und ein Bomber aus Amerika über Syrien aus Versehen zusammenstoßen beim Krieg für den Frieden.

                    Aber wer denkt an so was, wo wir täglich mit den Flüchtlingsströmen befasst sind, in deren Schatten wir unsre Jungs ohne UN-Mandat in Kriege schicken, die neue Flüchtlingsströme schaffen. Wen regt es auf ? Außer den Bundeswehrbeauftragten, der beklagt, dass die Bundeswehr überbucht sei. Er sagt wörtlich überbucht, und ich denke: Schade, ich hätte sie so gern gebucht, wenn´s mit dem Hausnachbarn mal wieder Streit gibt, zumal ja Schäuble soeben den Einsatz der Bundeswehr im Innern gefordert hat. Und tags darauf lese ich in der BILD, dass Hitler nur einen Hoden hatte, was zu Minderwertigkeitskomplexen führte, die er irgendwie abreagieren musste. Und da bitte ich nun, alle Nato-Generäle zu untersuchen, ob sie zwei Hoden haben, und wenn nicht, gilt die alte DDR-Losung: Nimm ein Ei mehr. Das könnte schlimmeres verhindern.

                    So, und nun schießen sie ihre Silvesterraketen ins neue Jahr, das ich uns allen friedlich wünsche und in dem das Gute siegen möge wie bei den Jedi-Rittern.

                    Den guten Wünschen für 2016 schließe ich mich an und melde mich im April wieder aus Teneriffa kommend im Forum zurück.
                    "Ob ich morgen leben werde,
                    weiß ich freilich nicht.
                    Aber, wenn ich morgen lebe,
                    daß ich morgen trinken werde,
                    weiß ich ganz gewiß."


                    G. E. Lessing

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                      #11
                      Am Sonntag gab es, oh Wunder auf dem MDR eine Übertragung aus dem Kabarett -Herkuleskeule- anläßlich ihres 55 jährigen Bestehens. Und am Samstag war in der SZ diese Kolumne von Wolfgang Schaller zu lesen:

                      In eigener Lache

                      Es war meine pubertierende Eitelkeit, die vor genau 60 Jahren meinen ersten Kabarettauftritt in einem Tagebuch festhielt: 30. April 1956. Ich muss das damals für sehr wichtig gehalten haben. Sie wissen ja: Jeder fängt mal groß an. Jedenfalls habe ich auch die Pointe aufgeschrieben, mit der ich mir den ersten Lacher holte: Mein Kumpel kam mit einem Regenschirm auf die Bühne und ich fragte ihn, warum er den Regenschirm aufspanne, es regne doch gar nicht. "Ja, bei uns nicht" antwortet er, "aber vielleicht regnet es in Moskau."

                      Mein Direktor verbot nach diesem ersten Auftritt unser Studentenkabarett, so dass mir der Stolz bleibt, dass der Beginn meiner Karriere mit einem Verbot endete. Aber leider kam die Kunde meiner Moskau-Pointe nicht bis zu Chruschtschow, der also auch keinen Anlass sehen konnte, sich und sein ganzes Sowjetvolk wegen Beleidigung bei Herrn Ulbricht einzuklagen. Was ich heute bedaure, weil es eine verpasste Chance war, damals als Staatsfeind und bis heute im Feuilleton gefeiert zu werden.

                      Ich habe in meinem Satirikerleben weder Ziegen beleidigt noch die Nationalhymne gefurzt oder ähnliche Tabus gebrochen, so dass ich von Rezensenten nie mit dem Attribut "herrlich politisch unkorrekt" geadelt wurde. Ich bin wohl zu sehr von meinen verstorbenen Freunden Peter Ensikat und Dieter Hildebrandt indoktriniert: Kabarett sei korrektes Wissen um politische Zusammenhänge. Die beiden haben es ja nicht einmal zu einem Schmähgedicht gebracht. Sie hatten einfach nur was zu sagen. In Zeiten, da Politiker gefallsüchtige Sprechblasen aus dem Fernseher pusten, um gewählt, und Boulevardjournalisten im flachen Mainstream schwimmen, um gelesen zu werden - wieso sollen da ausgerechnet Kabarettisten ihr Publikum mit provokanter Haltung aus dem Saal treiben ? Wer geliebt werden will, muss beliebig sein.

                      Als ich mich kürzlich im gelandeten Flugzeug in Dresden durch die im Mittelgang stehenden Reisenden Richtung Koffer mit den Worten: "Sorry, ich muss mal gegen den Strom schwimmen." Da schrie mich ein Gesicht an: "Das machen sie doch immer!" Wo alles Show ist, da ist Kabarett heute-Show. Nur eine Anstalt leistet noch, was einst ein Scheibenwischer leistete: bessere Durchsicht. Natürlich soll Kabarett gnadenlos politisch sein, aber bitte so, dass sich auch noch eine angetrunkene, aber gut bezahlende Hochzeitsgesellschaft einmacht vor Lachen. Comedians machen es wegen dem Geld, Kabarettisten wegen des Geldes. Früher musste die Linie stimmen, heute muss die Kasse stimmen.

                      Ich bitte die jüngeren Leser, falls es die noch gibt, um Entschuldigung, dass ich ab und zu von Vergangenheit spreche. Ich habe leider eine. Vergangenheit wirft Schatten. Schatten kann auch nach vorn zeigen, wenn man richtigrum steht. Aber wer weiß in diesen Zeiten, was vorn und richtigrum ist ? Eine freundliche Redakteurin hat mich jüngst in ihrem Nachruf sechs Jahre jünger gemacht. Das ist sehr liebenswert. Aber das kann auch schiefgehen. Sie kennen vielleicht den Witz, wo ein Frosch einem 60-jährigen Mann begegnet, der mit seiner 60-jährigen Frau lebt. Und der Frosch sagt zu dem Mann: Mann, du hast einen Wunsch frei. Und der Mann sagt: Dann wünsch ich mir eine 30 Jahre jüngere Frau, und schwupp, war er 90.

                      Die Herkuleskeule wird am Sonntag 55 Jahre. In einem Saal, der Geschichte atmet. Der muss weg. Geschichte wegsprengen ist eine Lieblingsbeschäftigung der Deutschen. Und Tradition brechen ist kein Gütesiegel. Der Kabarettist Werner Finck meinte, Kabarett habe nur in der Diktatur Sinn. Also: Gegen die Diktatur des Geldes, gegen die Merkel-Diktatur der Alternativlosigkeit - das ist doch alternativlos, oder ?
                      "Ob ich morgen leben werde,
                      weiß ich freilich nicht.
                      Aber, wenn ich morgen lebe,
                      daß ich morgen trinken werde,
                      weiß ich ganz gewiß."


                      G. E. Lessing

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                        #12
                        Zwischendurch mal eine Empfehlung zum Anhören - die Spätschicht vom 13. Mai mit hervorragenden Gästen.

                        Vorsicht beim anhören - es ist politisches Kabarett - das Gehirn muß eingeschaltet sein!

                        http://www.swr.de/spaetschicht/sendu...cbn/index.html
                        "Ob ich morgen leben werde,
                        weiß ich freilich nicht.
                        Aber, wenn ich morgen lebe,
                        daß ich morgen trinken werde,
                        weiß ich ganz gewiß."


                        G. E. Lessing

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                          #13
                          Mit leichter Verspätung ist hier der Satirische Nachschlag von -Wolfgang Schaller- vom letzten Samstag aus der SZ.

                          Der Krieg der Lieder

                          Dank meines neuen Telefons, mit dem ich Gespräche aufzeichnen kann, liegt mir der Wortlaut eines Anrufes von Opa Stein vor, der mir trotz nächtlicher Stunde seine gestrige Erregung nach dem Ausgang des Eurovision Song Contest nicht ersparte.

                          Haben Sie den Eurosongkongress gesehen ? Ach, Sie schlafen schon ? Aber jetzt sind Sie ja munter, haben Sie gesehen, dass wir verloren haben ? Ich meine: Wir haben den letzten Platz erfolgreich verteidigt, na gut, wir können ja nicht überall vorn liegen wie beim Waffenhandel und beim Biertrinken, aber die Letzten zu sein, das zeigt doch, dass niemand in Europa Deutschland liebt, und wer ist schuld daran: die Frau Merkel! Da soll doch das nächste Mal die Frau Merkel selber singen, da hätte sie singen können: Ich bin die eiserne Jeanne d`Árc, Miss Marpel aus der Uckermark, uffda uffda trallala, ich bin Europas Domina - da hätten sie nicht diese kleine pubertierende Lee bei Vollmond auf die Bühne stellen müssen, was sowieso an Kindesmissbrauch grenzte, obwohl man ihr ja zugestehen muss: Ihr Lied hatte mit dem ukrainischen Siegertitel eines gemeinsam. Beide waren gebatikter Müll.

                          Aber ich bin froh, dass die Ukraine den Kampf gegen die Russen gewonnen hat, denn mit den 200 Soldaten, die unsere Kriegsministerin an die lettisch-russische grenze schicken will, ist doch der nächste Weltkrieg nicht zu gewinnen, weil: Vor Moskau soll es im Winter immer recht kühl sein, und wenn unsere Bundeswehrgewehre um die Ecke schießen und unsere Hubschrauber nicht fliegen, kann man sich ja vorstellen, wie kriegstauglich unsere Rodelschlitten sind, aber irgendwie müssen wir es dem Putin mal zeigen, wo der jetzt als Einziger in der Welt seine Sportler dopen lässt, ich sage Ihnen: Die Russen waren immer schon gedopt, sonst hätten die uns 45 den Endsieg nicht vermasseln können, und - hören Sie noch zu oder schlafen Sie schon wieder? - was hat der Russe in der Ukraine zu suchen, wo dort schon die Amerikaner heimisch geworden sind, und wissen Sie, was unsere Heeresführerin geantwortet hat auf die Frage eines Reporters, ob wir bei der Fußball-WM in Moskau dabei sein werden ? Wir werden auf alle Fälle schießendes Personal schicken! Unsere Truppenursel hätte zum Songkongress bestimmt das Lied -Theo wir fahrn nach Lodz- geschickt, weil Lodz so russisch klingt, sie kennt sich geografisch nicht so aus, sie hat ja auch, als sie Truppen nach Mali schickte, gesagt: Afrika ist unser direkter Nachbar! Dabei: Da liegt das Mittelmeer dazwischen, was zwar kein Land ist, obwohl da viele Flüchtlinge untergetaucht sind - Sie haben wirklich nicht geguckt ? Das hätte ich nicht mal im Schlaf gedacht, dass die Ukraine gewinnt, wissen Sie. Ich hatte immer schon Unverständnis dafür, dass der Putin die Separatisten in der Ostukraine unterstützt, statt uneigennützig zu helfen, die Ukraine als NATO-Stützpunkt auszubauen, also: Ich find das gut, dass der Songkongress so politisch war mit diesem Lied über die Vertreibung der Tataren durch die Russen, da wird vielleicht Israel beim nächsten Mal ein Lied singen über KZs und erhält dafür von Deutschland twelfe Points, obwohl Israel meiner Meinung nach nicht zu Europa gehört, da hätten ja auch die Palästinenser mitsingen können: "Netanjahu muss begreifen, uns gehört der Gazastreifen." Australien ist ja auch Europa, jedenfalls waren die beim Songkongress auch dabei, und die könnten beim nächsten Mal siegen mit dem Lied: Vertreiben wir beim Songkongress erstmal die Aborigenes, und wie gesagt: Dass der Russe nun den Beleidigten spielt, verstehe ich nicht: Ein Krieg mit Liedern ist doch besser als ein Krieg mit Raketen - ach, Sie schlafen schon ? Dann frage ich Sie nur noch eins: Interessiert Sie das nicht ?
                          "Ob ich morgen leben werde,
                          weiß ich freilich nicht.
                          Aber, wenn ich morgen lebe,
                          daß ich morgen trinken werde,
                          weiß ich ganz gewiß."


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                            #14
                            Einen neuen satirischen Nachschlag kann ich leider noch nicht wieder liefern - aber den -Georg Schramm-, der leider nur noch sehr selten im TV zu erleben ist, der ist das anhören allemal wert:

                            https://www.youtube.com/watch?v=YcrkJrxwKiQ
                            "Ob ich morgen leben werde,
                            weiß ich freilich nicht.
                            Aber, wenn ich morgen lebe,
                            daß ich morgen trinken werde,
                            weiß ich ganz gewiß."


                            G. E. Lessing

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                              Zitat von Pfote 9 Beitrag anzeigen
                              Einen neuen satirischen Nachschlag kann ich leider noch nicht wieder liefern - aber den -Georg Schramm-, der leider nur noch sehr selten im TV zu erleben ist, der ist das anhören allemal wert.
                              Wer die Wiederholung vom Februar der Feier des 50. Geburtstags vom Mainzer "unterhaus" heute (zdf.kultur) verpasst hat - es gibt noch zwei Wiederholungssendungen, und zwar am
                              28. Juni um 20:40 Uhr auf 3sat
                              und am
                              30. Juni um 20:45 Uhr, auch auf 3sat
                              (die Zeiten sind TF-Zeiten).

                              Mit dabei sind: Georg Schramm, Urban Priol, Frank-Markus Barwasser, Jochen Malmsheimer und Arnulf Rating.
                              Algo se muere en el alma
                              Cuando un amigo se va
                              No me dejes aqui, mi amor
                              No te vayas todavía

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                                #16
                                …..und wer das sofort sehen will ruft die 3Sat Mediathek auf
                                und gibt dort in die Suchmaske Große Kleinkunst oder
                                den Untertitel 50 Jahre Mainzer "unterhaus" ein.
                                Saru mo ki kara ochiru

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                                  #17
                                  Mit Verspätung, wir waren ein paar Tage in der Schweiz um unseren Sohn zu besuchen, hier der Satirische Nachschlag vom 25. Juni :

                                  Friede, Freude, Eierkuchen statt Kriegslust und Konflikte suchen

                                  Während gestern der Erdbeermond hinter meinem Balkon in den Bäumen hing, werde ich schon morgen die Abendrotsonne am Horizont ins Wasser fallen sehen. Noch einmal durchsuche ich die Breakingnews in Sehnsucht nach Urlaubsidylle. Soeben fordert die Kanzlerin entschieden höhere Rüstungsausgaben vergleichbar mit denen im US-Haushalt, und unsere Kriegsministerin schickt im Auftrag der NATO-Generäle ihre Bundeswehr an die ostlitauische Grenze, als lauere dort ein Russenheer mit blutigen Messern im Mund auf den ersten Überfall.

                                  Ich lese im Grundgesetz nach und finde jenen § 80, der für den, der durch sein Handeln "... die Gefahr eines Krieges für Deutschland herbeiführt, lebenslange Freiheitsstrafe" fordert. Ich höre schon die Möwen über dem Meer, das seine Wellengischt wie auf einem Emil-Nolde-Gemälde an den Strand treibt, und ich muss in diesem Augenblick sehr fest daran glauben, dass unsere Kanzlerin die nette friedensnobelpreisverdächtige Flüchtlingsmutti ist und nicht Obamas Freudenmädchen mit der inneren Mission, Amerika einen gefallen zu tun.
                                  Meine Zeitung hilft mir, die verschwörungstheoretischen Gedanken zu vertreiben, denn ich sehe auf der Titelseite ein Foto, das amerikanische Soldaten auf ihrer Reise gen Osten in Cowboyhüten zeigt. Und gegen unterhaltende wildwestliche Cowboyspiele mit den wildöstlichen Putin kann ja niemand etwas haben. Zumal Putin zur Zeit sowieso das Phantom der Doper ist und als halbnackter gedopter Muskel-Athlet nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen darf.

                                  Ich lese, das Görings Unterhose versteigert wurde, und ich ahne, wer am braunen Geruch Gefallen finden könnte. Aber ich sage es nicht. Es ist ja geheim. Nicht geheim war die Hochzeit von Daniela Katzenberger. Dass das Überbleibsel antiker griechischer Hochkultur Costa Cordalis einen Sohn gezeugt hat, war schon beunruhigend genug, aber dass dieser Sohn nun auch noch eine deutsche Blondine geschwängert hat, muss jedem arischen AfD-Anhänger den letzten Verstand geraubt haben. RTL hat die gesamte Hochzeit übertragen, was so spannend war, als würde bei Ikea ein Klappstuhl umfallen.

                                  Ich jedenfalls freue mich, dass unsere liebenswerte fleischgewordene Silicon-Valley mich an ihrem Glück teilnehmen ließ und bin schon gespannt, wenn RTL ihre Darmspiegelung live überträgt. Während ich die Badehose in den Koffer packe, vorsorglich, falls es im Wasser zu kühl wird, überträgt ARD einen letzten Stimmungstest aus dem großen Britannien. Ein EU-freundlicher Engländer brät als Symbol seiner europäischen Toleranz eine Bratwurst auf seinem Grill, aber dem Königreich wurde schon immer eine Extrawurst gebraten, und ich denke, ob Brexit oder nicht, diese Wurst wird künftig noch größer sein.
                                  Mir kam die Drohung, aus dem vereinten Europa auszutreten sowieso vor wie die Drohung gegenüber einer Leiche, man wolle nicht mehr mit ihr leben. Aber vielleicht wird aus dem Europa der Konzerne doch noch einmal ein Europa der Menschen - in Urlaubsstimmung kommen mir manchmal so absurde Gedanken. Brüder unterm Himmelszelt.

                                  Die letzte Nachricht teilt mir mit, dass Raser künftig bis zu 1000 Euro Strafe zahlen sollen. Was mich nicht berührt, denn ich fahre immer so langsam, dass mich die Polizei malen könnte. Schnell noch die altersgerechten Tabletten in den Koffer und ein letzter Blick auf die Lokalseite, die von einem Wettbewerb der Klinikärzte berichtet unter der Überschrift BAUCHCHIRURG SCHNEIDET HERVORRAGEND ab. Was mich ungeheuer beruhigt, falls die anderen Nachrichten aus dieser Welt meinen Blinddarm vor Wut platzen lassen.

                                  Die Kolumne stammt wie immer von -Wolfgang Schaller-.
                                  "Ob ich morgen leben werde,
                                  weiß ich freilich nicht.
                                  Aber, wenn ich morgen lebe,
                                  daß ich morgen trinken werde,
                                  weiß ich ganz gewiß."


                                  G. E. Lessing

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                                    #18
                                    Hier ist zwischendurch wieder mal was mit -Volker Pispers-:

                                    https://www.youtube.com/watch?v=xqu5YjUlE0o
                                    "Ob ich morgen leben werde,
                                    weiß ich freilich nicht.
                                    Aber, wenn ich morgen lebe,
                                    daß ich morgen trinken werde,
                                    weiß ich ganz gewiß."


                                    G. E. Lessing

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                                      #19
                                      ?..auch ein aussagekräftiger Kabarettist

                                      http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=49728
                                      Saru mo ki kara ochiru

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                                        #20
                                        Der neueste -Satirische Nachschlag- von Wolfgang Schaller- wurde am 27. August 2016 in der SZ veröffentlicht.

                                        Systemvergleich

                                        Der Sommer ist sehr groß und die Schatten fallen nur aus den Nachrichten in der Zeitung, die neben mir ein Mann im Strandcafe liest. Ich kann die Titelzeile MILITÄRPUTSCH lesen, mein Blick war zu auffällig, jedenfalls sagt der Mann: "Es weiß ja keiner, wers war. Vielleicht wars der Erdogan selber". "Oder Jan Böhmermann", witzele ich. Der Mann sagte: "Da wurden ja gleich Achtzigtausend aus dem Staatsdienst entlassen, da war der Putsch gegen Erdogan kaum zu Ende."
                                        Nach dem Putsch gegen Honecker wurden Dreihunderttausend aus dem Staatsdienst entlassen, denke ich, weiß aber sofort, dass das ein unsinniger Vergleich ist, denn die Entlassenen wurden ja nicht wie in der Türkei gefoltert, wofür ich meinen Freunden aus den alten Bruderländern dankbar bin.

                                        Ich nehme meinen Blick von der Zeitung, aber gegen nostalgische Gedanken wehre ich mich nicht, ich bin ja extra an diesen Ort meiner Jugendjahre zurückgekehrt: Wo ich jetzt sitze und am Kaffee nippele, den ein Kellner auf silbernem Tablett serviert hatte, saß ich als Sechzehnjähriger kauend an einer Bockwurst, die ich mir schlangestehend an der Selbstbedienung für achtzig Pfennige erkämpft hatte. Der Senf kleckerte vom Pappteller auf die Tischdecke aus Igelit, und irgendwann rief die Bedienung in die Schlange: Bockwurst ist aus!
                                        Es war damals nur dieser Raum freigegeben, die restliche verfallene Hotelanlage versperrte ein Schild BETRETEN VERBOTEN. Ich trug meine Gitarre auf dem Rücken, abends auf dem Zeltplatz sangen wir am Lagerfeuer von den Partisanen vom Amur und Stalins Lieblingslied Suliko. Das Zelt stand an einem FKK-Strand, wo wir uns tags nackt in den Strand warfen und den Mädchen aufs zweischenklige Dreieck lugten. Wir fühlten uns frei, und wir waren jung, und uns gehörte die Zukunft. Du hast ja ein Ziel vor den Augen. Erzähle mir bitte keiner, wie schrecklich das damals für uns war, wie eng, wie unfrei. Nein, es war eine Hoffnung. Wir wollten ein anderes Deutschland. Es ist kläglich gescheitert, aber wir haben es versucht. Wer es nie versucht hat, sollte schweigen. Wir wussten nichts von Stalins Gulag und von Ulbrichts Schauprozessen gegen Andersdenkende. Wir träumten von einer gerechteren Welt. Wir wussten nicht, das aus Träumen Albträume werden können. Jung sein ist vielleicht der einzige Aggregatzustand, in dem man nichts gewusst haben darf.

                                        Der Mann mit der Zeitung verlässt das Cafe im neuen Grand-Hotel. Der freundliche Kellner fragt, ob ich speisen möchte, und ich sage: "Danke nur den Kaffee, bitte zahlen". Dem Kellner flieht die Freundlichkeit aus dem Gesicht. Ich war im Auto hierher gekommen. Vor dem Portal haltend, riss mir ein rotbefrackter Diener mit Zylinder die Tür auf. Nein, es ist kein Neger, stellte ich mit Erleichterung fest und übergab ihm meinen Wagen. Ein Dobermann zog an der Leine einen berühmten Modedesigner hinter sich her. Das Hotel ist für Hunde erlaubt. Für Kinder verboten. Es ist ein sehr schönes Hotel. Nebenan am Strand ist jetzt FKK verboten. Aber der Strand ist sauberer.

                                        Ich ziehe vom Nebentisch die Zeitung zu mir, die der Mann gelesen hatte: Innenminister will alle Reisenden in Europa erfassen. Ich weiß: Die Attentäter von Paris und Brüssel waren den Geheimdiensten vor den Anschlägen längst bekannt. Unsere Heerführerin will Soldaten im Innern einsetzen. Und an der Ostfront. Der Bundespfarrer will, dass wir uns wieder militärisch einbringen. Die Wehrpflicht soll wieder eingeführt werden. Ich denke: Sie wollen ein anders Deutschland. Sie wollen es versuchen. Der Mann hatte beim Zeitungsweglegen gesagt: "Die da oben. Ich sag schon lange nichts mehr. Aber die hören ja nicht auf mich." Der Kellner spannt den Sonnenschirm auf. Der Sommer ist sehr groß.
                                        "Ob ich morgen leben werde,
                                        weiß ich freilich nicht.
                                        Aber, wenn ich morgen lebe,
                                        daß ich morgen trinken werde,
                                        weiß ich ganz gewiß."


                                        G. E. Lessing

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