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  #1 (Permalink)
Alt 14.05.2009, 11:22
Mencey
 
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Lang, lang ist es her...

Aus dem Zeitarchiv vom 05.12.1957

Invasion der Fremden
Vier Hotels gibt es in Puerto de la Cruz: 150 Meter.über dem Ort, in einem wunderschönen botanischen Garten, liegt das Gran Hotel. Es gehört zur Klasse der Luxushotels in Spanien, verfügt jedoch nicht immer über alle Vorzüge dieser Preisart. Da Teppiche in den Korridoren fehlen, hallt jedes Geräusch, und der Gast kommt nie ganz zur Ruhe. Die Küche ist gut, aber nicht so gut, daß man sie rühmen könnte. Alle „Extras" sind verhältnismäßig teuer für diese billige Insel, die zur Freihandelszone des Kanarischen Archipels gehört. Trotzdem wohnt man verhältnismäßig angenehm hier. Ein Hotelbus fährt gegen Bezahlung die Gäste zur Playa. Meist ist man jedoch auf Taxis angewiesen, die Tag und Nacht zum Taoro-Berg hinauffahren. Taxis sind billig, aber man braucht sie sehr oft. Bald soll ein Hotelschwimmbad eröffnet werden, das den Hotelgast verführen wird, die Playa noch seltener aufzusuchen. Es wird unter der Bar-Terrasse liegen, und der Hotelgast wird auch schwimmend den schneebedeckten Gipfel des 3707 Meter hohen Pik betrachten können.
Die Vollpension im Gran Hotel kostet 36 DM, aber für Pauschalreisende der deutschen Flugreisebüros gilt diese Summe nicht, sie liegt erheblich niedriger. Ein neuer Maitre d'hotel, ein Flame, der in Panama und Travemünde Erfahrungen sammelte, ist zur Zeit bemüht, den Luxusstandard herzustellen.
Für geringere Ansprüche stehen drei Hotels im Ort zur Verfügung. Eines davon liegt ein wenig abseits vom Gassenlärm, zwei liegen neben der Kirche, also im Zentrum. Hier muß der Gast Unruhe einkalkulieren. Das Hotelessen ist meist ausgesprochen mäßig. Man will eine Küche bieten, die an die Heimat der Gäste erinnert. Aber Eisbein und Sauerkraut schmecken nicht unter der kanarischen Sonne. Oft werden die Gäste in Dependancen untergebracht, die sehr enttäuschen. Es werden in den Reisebüro-Prospekten „Villen in Parks" angeboten, die sich dann als simple Privatquartiere in engen Gassen entpuppen. Wer sich allein auf die vielversprechenden Prospekte verließ, ist bei der Ankunft häufig enttäuscht. Es gibt aber auch viele Bundesdeutsche, die mit Ansprüchen und Wünschen nach Teneriffa kommen, die hier nicht erfüllt werden können. Alle, die jetzt und Anfang des nächsten Jahres hier ihre Ferien verbringen wollen, werden wohl oder übel die großangelegten Erweiterungsbauten in Puerto de la Cruz mitfinanzieren müssen. Wegen des Andrangs der Gäste im letzten Jahr und der Hoffnung, daß dieser Boom anhält, werden neue Hotelflügel angelegt, und die Urlauber werden durch den Arbeitslärm gequält. Am Strand baut man ein neues großes Hotel für die deutschen Flugreisebüros. Aber die Arbeiter lassen sich Zeit. Nachtschichten, die aus Deutschland verlangt wurden, weil die Deutschen und Skandinavier es eilig haben, nach Puerto zu kommen, lehnten die Arbeiter stolz und freundlich ab: „Wir verdienen genug und leben nur einmal."
Manchmal, wenn der Feriengast am Strand im Badeanzug liegt und den schneebedeckten Pik betrachtet, ziehen plötzlich Gewitter auf, die den Aufenthalt ungemütlich machen. „Gemütlichkeit" sucht der Bundesdeutsche auch auf Teneriffa. Aber die Spanier verfügen nicht über das Organisationstalent, den Hunderten von Deutschen, die Puerto überfluten und es zu einer deutschen Ferienkolonie machen, so etwas zu bieten. Es gäbe schon schnelle Leute, die zum Beispiel Kioske einrichten würden, in denen die Touristen mit Zeitungen und selbstverständlich Ansichtskarten wie am Timmendorfer Strand versorgt werden. Aber für Ausländer gibt es keine Lizenzen. Der Kanare soll am Tourismus verdienen, und er wird es schon noch lernen..Der Charakter, den die eingeflogenen Deutschen dsm Ort gegeben haben, ist weit entfernt von dem, was er bisher hatte. Auch hier hat die Invasion der Fremden begonnen, das natürliche Leben der Einheimischen von Grund auf zu ändern!
Wenn der Reisende höhergelegene Teile der Insel aufsucht, kann er alle vier Jahreszeiten in einer einstündigen Taxifahrt erleben. Es gibt Lorbeerwälder und Pinienwälder wie nirgends auf dieser Erde. In den Kanadas, einem in 2200 Meter Höhe liegenden Urkrater der Insel, liegt im Winter Schnee, und die Besteigung des Pik von Teneriffa sollte eigentlich für alle, die noch bergsteigen können und die dünne Höhenluft ertragen, obligatorisch sein. Aber dazu braucht man sehr warme Kleidung und eine Ausrüstung, die man auf der Insel billig kauft.
Die Regierung hat soeben einen Parador, ein staatliches Hotel in den Kanadas fertigstellen lassen, der nun wirklich, in größter Einsamkeit, die vollkommene Erholung garantiert. Man lebt dort wie in einem Alpenhotel und kann doch in kurzer Zeit zur warmen Küste hinabfahren. Während eines dreiwöchigen Aufenthalts kann man täglich andere Ausflüge unternehmen. In dem Botanischen Garten von Orotava findet sich die Flora' aller Erdteile — vom Affenbrotbaum bis zur Kaffeestaude. Unangenehm ist die sogenannte kanarische Krankheit, eine Dysenterie, die fast niemanden verschont. Man muß damit rechnen. Sie befällt die Gäste aus Europa auch mehrere Male. Auf den Prospekten ist sie nicht angeführt. Auch die Flugreise in der viermotorigen DC 4 einer deutschen Luftreederei ist eine Anstrengung, der man gewachsen sein'muß; man fliegt zehn bis zwölf Stunden im Nonstopflug. Bei der großen Entfernung erreicht man sein Ziel zwar nicht bequem, aber dafür schnell und sehr preiswert. Zwischenlandungen werden in Marräkesch oder Barcelona durchgeführt. Der Hinflug findet bei Tage statt, der Rückflug beginnt mittags zwölf Uhr ab Los Rodeos, dem Flugplatz der Insel, und endet am frühen Morgen des nächsten Tages in der Bundesrepublik. Jetzt im Winter kommen auch wieder die Engländer. Die besten Zimmer im Gran Hotel sind bis März von ihnen gekauft. Schließlich waren sie es, die Teneriffa zuerst als Ferienziel Entdeckten. Wer aber dennoch gern hierher möchte und dem Massenandrang der neuen Modeinsel entfliehen will, der kann noch auf den anderen Inseln des Archipels auf Entdeckungen ausgehen. Aber dorthin gelangt er nicht schnell mit dem Flugzeug, sondern nur mit dem Schiff.
© DIE ZEIT, 05.12.1957 Nr. 49
DonAlberto78 ist offline  
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  #2 (Permalink)
Alt 15.05.2009, 12:14
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Danke für den schönen Artikel, das kann man sich ja heute nicht mehr vorstellen. Wollen wir die Zeit zurückdrehen?
montevideo09 ist offline  
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  #3 (Permalink)
Alt 15.05.2009, 12:29
Mencey
 
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Zitat:
Wollen wir die Zeit zurückdrehen?
...ich glaube nicht denn die Anreise wäre ein echtes Problem für mich, mich nerven meist schon die 4 Stunden... Ich würde gerne mal "lesen" oder auch sehen (alte Fotos) wie es zu dieser Zeit im Süden ausgesehen hat. Vielleicht findet sich ja noch etwas.
DonAlberto78 ist offline  
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  #4 (Permalink)
Alt 15.05.2009, 14:59
Mencey
 
Benutzerbild von Michael
 
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913 Fotos aus dem alten Teneriffa

also 913 Fotos aus dem "alten Teneriffa" findet man u.a. hier:

http://www.teneriffaanzeiger.de/foto...ash/index.html

ist ne Diashow die alle Bilder abspielt...
Michael ist offline  
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  #5 (Permalink)
Alt 16.05.2009, 09:01
Mencey
 
Benutzerbild von Michael
 
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Variante der Fotoshow mit 913 Bildern aus dem alten Teneriffa

Hi,

es gibt noch eine Variante der Fotoshow:

http://www.teneriffaanzeiger.de/foto...low/index.html

Nachteil: sie laedt erstmal lang bevors losgeht
Vorteil: es werden Bildunter-/ueberschriften angezeigt

Per Klick auf das jeweils mittig angezeigte Bild wird es in gross geoeffnet und man kann dann innerhalb der grossen Ansicht auch alternativ weiterblaettern (oder schliessen und wieder durch diese "Covershow" stoebern bis man das naechste findet was man gross sehen moechte).

Sind sonst dieselben Fotos wie in der oben genannten Fotoshow, ist nur eine andere Form der Praesentation.
Michael ist offline  
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  #6 (Permalink)
Alt 16.05.2009, 12:25
Mencey
 
Benutzerbild von DonAlberto78
 
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...genau soetwas wie diese Diashow habe ich gesucht. Klasse!!! Danke!!!
DonAlberto78 ist offline  
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  #7 (Permalink)
Alt 16.05.2009, 13:29
Mencey
 
Benutzerbild von surfer1010
 
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surfer1010 eine Nachricht über MSN schicken
wenn ich da lese 12 Stunden Flug........wie lange war denn dann der Transfer bis Puerto oder bis nach Los Christanos ??
__________________
wir waren vom 2. bis 27. März in Puerto...... aber wir kommen wieder !!


Beschwerden über Schreibfehler, fehlende Buchstaben oder Leerzeichen bitte an meine Tastatur richten:
Frau Tasta Tur
Musterstrasse 11
11111 Musterstadt

Bitte verratet nicht, dass ich sie angeschmiert hab, sonst wird das alte Luder sauer.
surfer1010 ist offline  
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  #8 (Permalink)
Alt 16.05.2009, 14:19
Mencey
 
Benutzerbild von real lejos
 
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Zitat:
Zitat von surfer1010 Beitrag anzeigen
wenn ich da lese 12 Stunden Flug........wie lange war denn dann der Transfer bis Puerto oder bis nach Los Christanos ??
tja .... das setzt den Begriff "Krise" in eine völlig andere Dimension, oder nicht!?

Und doch war es aufregend, damals in den 60ern, wenn mich meine Eltern zwischen Zeltstangen, Angelzeug und Erste Hilfe Koffer in den Loyd klemmten und wir tagelang zur Costa Brava unterwegs waren. Unsere Verpflegung bestand damals aus einem Stangenweißbrot "belegt" mit Olivenöl Tomate und Salz. Das musste den Tag über ausreichen. Zu trinken gab es Wasser, welches in der Kühltasche, die jeden Morgen mit Stangeneis für ein paar Peseten erworben, gelagert wurde. Unser ganzer Stolz war eine klappbare Sperrholzküche, welche mein Vater selbst gebaut hatte. Damit waren wir den übrigen Zeltplatzbewohnern um Lichtjahre vorraus. Die auf den Felsen weichgeklopften Tintenfische gab es täglich frisch auf dem Gaskocher zubereitet. Nix Calamares a la Romana und Cola und Eis. Die Mehrheit der Menschen hatten damlas eine schlanke Figur ohne Kalorien zu zählen. Die Urlaubswochen veflogen wie im Flug, denn jeder Tag war Abenteuer pur.
Deswegen befremden mich heutzutage gestellte Fragen, wie : "Was können Jugendliche von 17 Jahren in Puerto de la Cruz unternehmen" (wenn man ihnen Handy und Laptop wegnimmt)
__________________
Wir sind keine Menschen die eine spirituelle Erfahrung machen, sondern SPIRIT der gerade eine materielle Erfahrung macht - und dieser Spirit ist in ALLEN Dimensionen gleichzeitig .

Geändert von real lejos (16.05.2009 um 14:21 Uhr)
real lejos ist offline  
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Flowerpower1211 (16.05.2009), mh.cookie (16.05.2009)
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Alt 16.05.2009, 14:56
Canario
 
Benutzerbild von tenny17
 
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Unangenehm ist die sogenannte kanarische Krankheit, eine Dysenterie, die fast niemanden verschont.

Hola, ihr lieben Forianer,

insbesondere ihr, die ihr längere Aufenthalte auf Teneriffa habt, oder sogar dauerhaft dort lebt: Was habt ihr für Erfahrungen mit den Auswirkungen von Speis und Trank auf die menschlichen Innereien, was meidet ihr, um oben beschriebene Beschwerden zu verhindern? Oder ist die Krankheit zwischenzeitlich auf den Canaren ausgestorben?

Ich glaube das allerdings nicht. Mein Bruder, der schon mehrmals auf Teneriffa war, warnte mich vor der Reise und empfahl mir ein Medikament, das man vorsorglich gegen Dysenterie nehmen solle. Ich habe es abgelehnt, weil ich Medikamente nur dann nehme, wenn mir wirklich was fehlt.

Ich habe kein Leitungswasser getrunken, kein Eis gegessen, nur gewaschenes Obst verzehrt. Trotzdem hatte ich nach Rückkehr von diesem schönen Eiland zwei Wochen lang ganz erbärmliche Beschwerden!

tenny17
tenny17 ist offline  
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  #10 (Permalink)
Alt 16.05.2009, 15:57
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Durchfallmittel

Also mit sonem Kanaren-Durchfall habe ich noch keine Erfahrung (eher das Gegenteil :-( )...
Empfehlenswert als Alternative zu Imodium u.Co. ist das Mittel Pentoferyl (gibt es freiverkäuflich in der Apotheke). Das ist ein Mittel mit einem Wirkstoff gegen Bakterien, bekämpft also die Ursache des Durchfalls und stellt nicht nur den Darm ruhig wie Loperamid-haltige Arzneimittel.
Viel Glück...
__________________
Bärli ist offline  
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