Auf
Teneriffa braucht man keine Lizenz zum Führen. Also kann diese auch nicht entzogen werden. Das ist übrigens in ganz Europa nicht anders, solange das Führen nicht kommerziell betrieben wird. Nur im Alpenraum sind kommerzielle Führungen den im internationalen Bergführerverband zusammengeschlossenen Profis von Gesetz wegen vorbehalten. Private Führungen und nicht-kommerzielle Führungen, für die nur eine angemessene Aufwandsentschädigung gezahlt wird, sind überall erlaubt. Von angemessenen Aufwandsentschädigungen könnte aber niemand leben.
Seriöse Führer und ihre Gäste sind unfall- und haftpflichtversichert. Angesichts der üblichen Niedrigpreise für geführte Touren auf
Teneriffa kann man getrost davon ausgehen, dass diese Unternehmungen in der Regel nicht versichert sind. Im alpinen Bereich geht es mittlerweile nach Unfällen um Haftungs- und Rehabilitationskosten in Millionenhöhe. Auch wenn auf
Teneriffa das Unfallrisiko bei vielen Wanderungen deutlich niedriger anzusetzen ist, sollten zum Schutz der Teilnehmer die geführten Gäste angemessen versichert sein; denn mit dem Zustandekommen des Führungsvertrages - auch wenn dieser nur mündlich geschlossen wird - übernimmt der Führer eine Garantenstellung für die Geführten und haftet entsprechend. Garantenstellung bedeutet, dass der Geführte unabhängig vom mit der
Wanderung verbundenen Risiko darauf vertrauen darf, unter der angebotenen Leitung sicher das Ziel zu erreichen.
Teneriffa scheint eine Wiese mit vielen schwarzen Schafen darauf zu sein.
Zum mindesten sollte ein Führer über eine zertifizierte Ausbildung verfügen, in der einfachsten Form also ausgebildeter Wanderleiter sein. Besser wäre noch die deutlich höher qualifizierte Ausbildung zum Fachübungsleiter (Bergsteigen, Alpinklettern, Hochtouren usw.), bei der zudem - anders als bei der einmaligen Wanderleiter-Ausbildung - eine regelmäßige Fortbildungspflicht besteht. Alpine Fachübungsleiter, die ihrer Fortbildungspflicht nicht nachkommen, werden zu Wanderleitern zurückgestuft. Ausgebildete Führer verfügen über ein ausreichend hohes persönliches Können, um schwierige Situationen vorausschauend zu erkennen und ihr Führungsverhalten entsprechend einzurichten, dass niemand gefährdet wird. Diese Sicherheit hat man nicht, wenn man mit einem zwar bestimmt netten, aber nicht ausreichend geschulten und auch nicht versicherten schwarzen Schaf wandert.
Also immer vorher fragen, welche Ausbildung der/die FührerIn hat und welcher Versicherungsschutz besteht.
lagarto66
Biologe und Bergführer