Es gibt wahrscheinlich nur eine Handvoll Menschen welche die absolute Einsamkeit wirklich suchen und mir fallen da auf Anhieb nur jene Asketen ein die in die Wüste gehen um ihre spirituellen Übungen zu machen, oder der Alpöhi aus dem zauberhaften Buch Heidi, der sich aus bitterer Enttäuschung heraus von den Menschen abgewandt hat. Die meisten von uns sind jedoch auf der Suche nach Partnern, doch nicht immer hat „Partnersuche“ etwas mit Lebens- oder Ehepartner zu tun. Man sucht Tennis- oder Golfpartner, Partner zum Schachspiel, Schnapsen, Preferanzen oder Tarokieren, man ist auf der Suche nach Gleichgesinnten die mit uns Tanzen oder
Wandern gehen, Museen besuchen, Kreuzfahrten unternehmen, oder ganz einfach nur zum Gedankenaustausch.
Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass sich die meisten Menschen am Arbeitsplatz kennenlernen, gefolgt von Diskos, gesellschaftlichen Treffen, oder, so wie die Wiener halt beim Heurigen oder im Kaffeehaus. Das moderne Zeitalter hat uns jedoch eine weitere Möglichkeit beschert – das Internet. Man inseriert in Partnerbörsen, trifft sich in Chatrooms oder Foren und wenn man Glück hat, findet man genau das Gesuchte.
War ein Forum in der Antike noch eine Platzanlage, wie zum Beispiel das berühmte Forum Romanum, welches als Zentrum des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens betrachtet wurde, so sind Foren heute virtuelle Orte, wo Meinungen untereinander ausgetauscht, oder Fragen gestellt und beantwortet werden können.
Foren gibt es für fast alle Bereiche des Lebens. Ob man sich dafür interessiert ob die Fernsehserie „Dr. House“ einen realen Hintergrund hat, ob man seine Meinung über „Das perfekte Dinner“ kundtun möchte, wo man Fragen stellen kann wie man die Durchfallprobleme beim Meerschweinchen beheben kann und die neuesten Meldungen ob Paris Hilton sich im Knast schon eingelebt hat und dort eine neue Freundin gefunden hat. Es gibt jedoch auch Foren in denen sich gewissenhafte Ärzte oder Wissenschaftler austauschen, Foren die uns mit Rat und Tat bei Softwareproblemen zur Seite stehen oder informativ über Land und Leute berichten.
Hinter dem Begriff „Forum“ stehen jedoch immer Menschen. Da gibt es Menschen die über das Fachwissen verfügen ein Forum ins Netz zu setzen und da gibt es Menschen die mit gezielten Beiträgen über Wissenswertes berichten. Anders jedoch, als bei dem Prozedere des persönlichen Kennenlernens kann man in einem Forum anonym bleiben. Beim virtuellen Betreten eines Forum trifft man hier den
Bayernfranz, Bobo, Bonito, Santana, den Dagobert oder Don Filete und in den wenigsten Fällen findet man ein zum Namen gehörendes Foto, wo man abschätzen kann, dass der „Dietmar“ nicht nur nett aussieht, sondern auch altersmäßig der eigenen Generation angehört. Das heißt, es bleibt absolut dahingestellt, ob „Pamela Anderson“ nicht eine flachbrüstige Endsechzigerin ist und „Brad Pitt“ die Visionomie eines Wurzelsepps hat, aber wenn ein jung gebliebener Siebzigjähriger, der sich „Überflieger“ nennt, begeistert über seine letzten Erlebnisse berichtet, bleibt es unbelächelt.
Auch
Teneriffa hat ein Forum, einen virtuellen Raum für Urlauber und Residenten, der mit rund fünfeinhalbtausend Beiträgen Wissenswertes über unsere Insel berichtet. Über Landschaft,
Fauna,
Flora kann man hier lesen, über
Wandern, Ausflüge oder Sehenswürdigkeiten, bekommt Informationen über Essen, Trinken oder Nightlife, erhält canarische Rezepte, den Wetterbericht und die aktuellsten Ereignisse aus der Presse um nur einige Themen zu nennen.
Als jedoch die Überlegung, ein Treffen der Forumsbesucher und Benutzer zu inszenieren, getroffen wurde, war ich skeptisch. „Für so etwas bin ich zu alt“ meinte ich in einem Gespräch mit einem der Gründer des Forums „was mach ich denn da dabei? Aus dem Alter, wo ich Freeman, Frodo oder Gaviota treffen möchte, bin ich raus. Ich gehe ja auch in keine Disko, weil sich ja dort auch nur junge Menschen treffen.“ Doch Stefan und Andreas, die beiden Initiatoren des
Teneriffa Forums überredeten mich gekonnt.
Am Sonntag war es dann so weit. Bewaffnet mit ein paar Koteletts, ein paar Saucerln und anderen kulinarischen Köstlichkeiten fuhren wir zu dem vereinbarten Grillplatz in den Bergen, noch immer den Gedanken im Hinterkopf, dass man ja schnell wieder gehen kann, wenn die Gesellschaft nicht entsprechend wäre. Und dann waren sie da – die, die man eigentlich schon länger kennt, über deren Beitrage man gelacht oder sich amüsiert, oder deren Statements ganz einfach interessant waren, und es waren Menschen wie Du ich Ich. Von Jung bis Mittelalter, ob Männlein oder Weiblein, ob Alleinstehend oder Paare, aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein und den Kanaren. Sie trafen sich, lachten, diskutierten und aßen gemeinsam, lernten sich persönlich kennen und freuten sich über einen absolut gelungenen Nachmittag.
Manchmal muss man halt die Initiative ergreifen um auch auf einer Insel, weit ab von der Heimat neue Freunde kennen zu lernen, das haben die Gründer des Forums bewiesen und dazu möchte ich Ihnen herzlich gratulieren.
Auf der Insel Isla
La Palma gibt es eine „Pfeifsprache“ mit der sich die Menschen früher, die Täler überwindend, verständigt haben, die Seefahrer benutzten Lichtsignale und die alten Indianer Rauchzeichen. Der Rauch der von dem Grillplatz während des Treffens der Forumbenutzer aufgestiegen ist könnte ja auch ein Zeichen gewesen sein um mehr Menschen zueinander zu bringen. Besuchen Sie halt auch einmal den virtuellen Marktplatz, wo getrascht, geplaudert und informiert wird unter der Internetadresse
www.forumteneriffa.de.
meint Ihre Wienerin
Irene-Christine Graf
Diese Kolumne erschien in Teneriffas Neuer Presse Ausgabe 12