Eine nicht bestätigte Überlieferung erzählt, dass der, 1969 mit dem Literatur Nobelpreis ausgezeichnete, Schriftsteller Samuel Beckett als Zuschauer bei einer Tour-de-France-Etappe war. Die Menschen jubelten den vorbeirauschenden Radrennfahrern zu und blieben, trotzdem bereits alle vorbeigerauscht waren, beharrlich auf ihren Plätzen stehen. Auf seine Frage worauf sie denn warten, kam die Antwort: „Wir warten auf Godeau!“. Allerdings, so weiß die
Geschichte auch zu berichten, hat nie ein Mensch dieses Namens bei der Tour-de-France teilgenommen.
Fakt jedoch ist, dass Samuel Beckett im Jahr 1948 das weltberühmte Theaterstück „Warten auf Godot“ geschrieben hat. Die Hauptfiguren des Stücks sind die beiden Landstreicher Estragon und Wladimir, die an einem Ort ihre Zeit damit verbringen, auf Godot zu warten, den sie nicht kennen, von dem sie nichts wissen, nicht einmal, ob es ihn gibt. Bis zum Ende des Stückes wird nicht klar, wer Godot eigentlich ist und warum die beiden auf ihn warten. Die Zeit vertreiben sich die beiden Protagonisten mit Belanglosigkeiten und dem Diskurs über ihre Situation, ohne jemals Klärung zu erlangen.
Bekett skizziert in seinem Stück zwei Menschen, die ihre Zeit so unendlich sinnlos mit Warten verbringen. Manche von uns lachen über die Beiden, manche von uns denken jedoch darüber nach, dass gerade diese beiden, aus der Phantasie eines Schriftstellers entsprungenen, Figuren mehr Bezug zur Realität aufweisen als uns lieb ist.
Seien wir doch ehrlich – warten wir selbst nicht auch manchmal auf ein Wunder?
- Manche von uns warten darauf, dass ein Freund den ersten Schritt macht um einen schwelenden Konflikt auszuräumen und vergessen auf die Möglichkeit, dass sie niemand daran hindert selbst ein Zeichen der Versöhnung zu setzen.
- Manche von uns warten auf eine göttlich Inspiration, die ihnen zu Reichtum und Macht verhilft. Bei Vielen von uns dreht sich jedoch das Gedankengut mehr um Neid und Missgunst auf Menschen die es geschafft haben und weniger um die Suche nach Möglichkeiten es ihnen gleich zu tun.
- Manche von uns warten auf den Traumpartner. Er (sie) sollte gut aussehend, intelligent, finanziell abgesichert und sogar noch treu sorgend, liebevoll und treu sein. Doch, sich selbst bemitleidend, zu Hause vor der Glotze zu sitzen, ist sicher nicht der richtige Weg jemanden kennen zu lernen.
- Manche von uns hoffen, dass die von ihnen bevorzugte Partei gestärkt aus einer Wahl hervorgeht, sind jedoch zu bequem selbst den Weg zur Stimmabgabe anzutreten.
- Und manche von uns warten ihr ganzes Leben darauf, dass die gütige Lottofee ihren Geldsegen über sie schüttet um sich all jene Träume zu erfüllen die ihre schlaflosen Nächte begleiten. Um Träume zu erfüllen bedarf es jedoch meist nicht jenem unermesslichen Geldsegen den ein Lottogewinn verspricht, oft genügt der erste, realistisch gemachte, Schritt in die richtige Richtung.
Träume sind jedoch wichtig für uns Menschen. Sie sind die Triebfeder jeglicher Entwicklung und ohne sie, wäre wahrscheinlich nicht einmal das Rad erfunden worden. Und, wenn bei einer Lotterie satte 100.000 Millionen Euro auf einen, oder mehrere glückliche Gewinner warten, kann man ja 2,-- Euro riskieren. Doch dazwischen sollte man die Füße auf dem Boden der Realität lassen um der Erfüllung von so manchem Traum näher zu kommen.
Wunder geschehen ziemlich selten, das meint