Eigentlich empfinde ich es fast als persönliche Beleidigung wenn eines meiner technischen Haushaltsgeräte den Geist aufgibt und nach 20 mühevollen Jahren den Weg in die unendlichen Jagdgründe beschreitet. Man hat sich doch aneinander gewöhnt, gelernt Macken zu berücksichtigen und die scheppernden Geräusche die den Waschgang meiner Geschirrspülmaschine begleiten sind doch irgendwie vertraut.
Ähnlich geht es mir natürlich auch bei elektronischen Geräten. Mein PC ist ein Standmodell, nicht einer jener ultramodernen Laptops mit Full-HD-Monitor, aber er funktioniert, lässt mich problemlos auf das Internet zugreifen und speichert gewissenhaft meine literarischen Ergüsse. Auch meine Fernsehgeräte sind eher älteren Semesters und der Gedanke daran, dass sie es ja eh nicht mehr lang tun werden und man dann halt auf die neuere Generation umsteigen muss, lässt leise Trauer in mir aufsteigen.
Doch hin und wieder steht man dann vor einer Auslage, die verlockend die neuesten Modelle, zu reduzierten Preisen,
präsentiert. Man denkt an die leise vor sich krachende Stereoanlage die zu Hause steht und beschließt, sich zumindest einmal zu informieren. Man erfährt unheimlich viel über Schnittstellen, Audio Ein- und Ausgängen, Dock für iPod und subwoofer Pre Out und nachdem die Frage meines Mannes, ob das gute Gerät auch Musik spielen könne mit Ja beantwortet wird, entschließt man sich zu einem Kauf.
Noch die Gratulation des Verkäufers zu diesem Super-Schnäppchen im Ohr schleppt man unzählige Schachteln nach Hause, vertraut noch immer auf den Hinweis des guten Mannes, dass das Gerät superleicht zu installieren sei und letztendlich ja eine Gebrauchsanweisung beigelegt sei.
Etwas misstrauisch wurde ich, als der netteste aller Ehemänner so rigoros alle Verbindungskabel unserer alten Stereoanlage aus ihren Buchsen zog und sich tonlose Stille über unser Haus verbreitete. „Die war einmal sehr teuer“ flüsterte ich, der unheimlichen Stimmung angepasst, und wischte mit einem feuchten Tuch noch einmal liebevoll über das alte Gerät, bevor es mich für immer verlassen würde. Ein lauter Fluch war die Antwort meines Mannes, der zwischenzeitlich einen wirren Kabelsalat vor sich liegen hatte und eine Gebrauchsanweisung die zwar in Englisch, aber sonst nur in japanischer, koreanischer und portugiesischer Sprache gehalten war. „Glaubst Du, dass Du es schaffst, oder soll ich unseren Nachbarn um Hilfe bitten?“ fragte ich vorsichtig und erhielt nur einen bitterbösen, verständnislosen Blick.
Manchmal hat man auch Glück im Leben, denn der Zufall schickte uns einen guten Freund ins Haus, der noch dazu phänomenale Kenntnisse über die Installation von HIFI-Geräten hat. Mit wenigen Handgriffen verschwanden Kabel in Buchsen, leuchteten Anzeigen auf, ertönten Geräusche die wenig mit Musik zu tun hatten um dann doch menschliche Stimmen einzufangen. „War doch ganz einfach“ sagte er und erklärte mir glaubhaft, dass der jetzt auf Platz 1 gespeicherte Sender die deutsch-kanarischen Nachrichten brächte.
Zugegeben, der Klang der neuen Anlage war nicht von Störgeräuschen begleitet, doch die angenehm klingende Stimme des Radiosprechers verkündete gerade den Wetterbericht. „Morgen wird es wechselnd bewölkt und trüb, mit leichten Regenschauern. Die Tageshöchstwerte werden bei 16 -24°C, liegen“ hörte ich noch, bevor ich das Gerät abschaltete um die abendlichen Nachrichten im Fernsehen anzuschauen. „Na, ja, dann lege ich morgen halt einmal einen Putztag ein“ dachte ich mir.
Zugegeben, ich wunderte mich schon ein bisserl über den melodischen Klang der Wiener Sprache als ich das neue Gerät mit den vorprogrammierten Plätzen einschaltete und auch, dass hier auf den Kanaren der Deal zwischen GM und Magna aus österreichischer Sicht beleuchtet wurde, doch als die Mitteilung über eine Strafverfügung aus der österreichischen Steiermark, wo ein Mann wegen eines gelassenen Furzes in einem Festzelt zu 50,-- Euro Strafe verurteilt wurde, wusste ich, dass unser Freund mir einen Sender aus der Heimat auf Platz 1 programmiert hatte.
Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon den Kasten ausgeräumt um ihn einer Grundreinigung zu unterziehen, die Teppiche aus dem Wohnzimmer gebracht und die Blumentöpfe für einen Generalputz auf die Terrasse gebracht und musste meine begonnene Arbeit bei 29° Grad im Schatten zu Ende bringen.
Man kann sich halt weder auf neue Geräte und schon gar nicht auf einen Wetterbericht verlassen,
das meint