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  #1 (Permalink)
Alt 16.05.2008, 11:07
Mencey
 
Benutzerbild von Die Wienerin
 
Registriert seit: 14.10.2006
Ort: Puerto de la Cruz
Beiträge: 365
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Der gute Mensch

Ich bin so unendlich froh unter so vielen guten Menschen zu leben. Sie kümmern sich um misshandelte Hunde, streunende Katzen, spenden Geld für Tierheime und die Opfer von Umweltkatastrophen. Sie setzen sich ein für unterdrückte Menschen, wollen die Gleichberechtigung aller Religionen und Rassen und fordern uns lautstark auf es ihnen gleich zu tun. Ich finde das absolut toll – und trotzdem macht es mich ein bisserl nachdenklich.
Es war im Jahr1942 als Berthold Brecht sein Theaterstück „der gute Mensch von Sezuan“ nach jahrelanger Arbeit beendete und der Öffentlichkeit präsentierte. In diesem Stück beschreibt er die Geschichte von drei Göttern welche die Erde besuchten um in einer von Egoismus geprägten Gesellschaft gute Menschen zu finden, denn sie wollen beweisen, dass man gut sein und dennoch leben kann.
Nun werden Sie sich vielleicht wundern warum mir bei soviel Gutherzigkeit meiner Mitmenschen gerade Brecht einfällt. In diesem Theaterstück werden die drei Götter bei einer Prostituierten fündig. Sie nimmt persönliche Nachteile in Kauf, um anderen zu helfen. und bietet den drei Göttern ein Nachtquartier. Als sie am nächsten Morgen von ihren massiven Geldsorgen berichtet, bezahlen die Götter sie mit einem kleinen Vermögen, wovon sich das Mädchen einen kleinen Tabakladen leistet, um nicht mehr der Prostitution nachgehen zu müssen. Als Gegenleistung verspricht sie den Göttern sich in Zukunft nur noch redlich und gut zu verhalten, was sich allerdings in der kapitalistischen Gesellschaft zunehmend als schwierig herausstellt, da ihr selbstloses Engagement für die Armen und Vernachlässigten sehr schnell sämtliche finanziellen Reserven aufbraucht und schließlich zum Verlust des Tabakladens führt.
Zugegeben, in unserer realen Welt, die weit entfernt von den Phantastereien eines Autors ist, gibt es keine Götter die uns mit Reichtum überschütten um Gutes zu tun, aber es gibt Millionen Menschen die den werbewirksamen Aufrufen zur Hilfeleistung folgen. Laut Medienberichten wurden allein im ersten Halbjahr 2007 über 843 Millionen Euro in Deutschland gespendet. Doch ich mache mir halt so meine Gedanken, wie schrecklich es ist, dass in unserem Zeitalter auch Unglück medial aufbereitet werden muss. Sind wir wirklich so abgestumpft, dass uns Fernsehreporter die Bilder des Grauens via Sateliten ins Haus liefern müssen um unser Mitgefühl zu erwecken? Die hungernden Kinder aus Afrika sind aus den Spendenaufrufen momentan verschwunden und ich habe von keinem Spendenaufruf gelesen, der um Hilfe für die Bebenopfer in Gölcuk mit 20.000 Toten und einer komplett zerstörten Infrastruktur bittet. Gölcuk? wo ist das? Ist es auch aus Ihrem Gedächtnis verschwunden dieses Gebiet in der Türkei welches 1999 von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde und bis heute an den Nachfolgen leidet. Wieviele Spendengelder sind wohl wirklich nach Bam geflossen jene südirakische Stadt wo ein Erdbeben im Jahr 2003 41.000 Menschen das Leben gekostet hat? Denkt einer von uns noch an die Menschen die bei der Brandkatastrophe hier auf unserer Insel wo viele ihr ganzes Hab und Gut verloren haben?
Gut sein, heißt doch nicht dem Trend der Zeit zu entsprechen und Unterschriften auf endlose Listen für die Freiheit der Tibeter zu setzen, die zum Beispiel sowohl vom deutschen Bundespräsidenten als auch vom Vizekanzler Deutschlands ignoriert werden. Es bedeutet auch nicht sich einzutragen in eine Liste gegen Tierquälerei um sich selbst zu bestätigen dass man tierlieb ist.
Das Interesse an Tibet wurde verdrängt von der Katastrophe in Birma, diese abgelöst vom Erdbeben in China und spätestens wenn die Fußballeuropameisterschaft startet und die Olympiade in Peking werden sich die Berichte in den Medien und unsere Gedanken damit beschäftigen.
Berthold Brecht entlässt seine Zuschauer ohne Lösung des Problems ob man „gut sein und doch leben kann“ und fordert auf eine Lösung zu finden die nur in der Veränderung der Gesellschaft liegen kann.
Das Rad der Zeit dreht sich unweigerlich weiter und mit ihm unsere Empfindungen, Gefühle und Interessen. Vielleicht verändert sich das Menschenbild wenn wir aufhören die wirtschaftlichen Aspekte, wie den Handelsplatz China oder die Investitionsmöglichkeiten im Irak, in den Vordergrund zu stellen, sich mit schnell aufgefüllten Petitionen zufrieden geben und beginnen ehrliches Mitgefühl zu entwickeln.
Schauen wir doch nicht weg wenn unser Nachbar in Not ist – helfen ist immer „IN“ auch wenn es nicht werbewirksam eingesetzt werden kann.
Das meint Eure Wienerin
Irene-Christine Graf
Die Wienerin ist offline  
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Berago (18.05.2008), brainstorme (18.05.2008), chipsy (18.05.2008), da miche (16.05.2008), emmi (17.05.2008), Flowerpower1211 (22.05.2008), gerdmos (16.05.2008), Liza (07.06.2008), magnolie (16.05.2008), Natascha (17.05.2008), peterseth (16.05.2008), trimmi (16.05.2008)
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  #2 (Permalink)
Alt 16.05.2008, 18:04
Mencey
 
Benutzerbild von Don Quijote
 
Registriert seit: 02.04.2008
Ort: Niedersachsen
Beiträge: 302
Abgegebene Danke: 186
Erhielt 68 Danke für 47 Beiträge
Danke, Wienerin.

Ein schönes Thema.

Ich gebe zu, dass ich allergisch geworden bin gegen Fotos von traurigen, hungernden Kinder speziell in der Vorweihnachtszeit, so als ob selbige Kinder zB an einem 16. Mai keinen Hunger hätten. Und ich frage mich, was mit den gesättigten Kindern geschieht, sobald sie erwachsen geworden sind. Dürfen sie dann verhungern, weil hungrige Erwachsene nicht so werbewirksam sind?

Was ich mir wünsche, ist eine Einrichtung der Vereinten Nationen - ein Welt-Hilfswerk, das permanent hilft und das, ausgestattet mit modernster Technologie, bei Naturkatastrophen jeden Punkt dieser Erde innerhalb von 24 Stunden erreichen kann.

Es darf nicht sein, dass im Bedarfsfall das Geld zur Finanzierung eines Einsatzes erst einmal in der Weltbevölkerung zusammengebettelt werden muss, bevor geholfen werden kann.

So meine Meinung

Don Quijote (Rainer)

Geändert von Don Quijote (17.05.2008 um 18:00 Uhr)
Don Quijote ist offline  
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brainstorme (18.05.2008), chipsy (18.05.2008), Flowerpower1211 (22.05.2008)
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  #3 (Permalink)
Alt 18.05.2008, 08:53
Canario
 
Benutzerbild von brainstorme
 
Registriert seit: 08.09.2007
Beiträge: 155
Abgegebene Danke: 100
Erhielt 62 Danke für 36 Beiträge
Spendenhilfen

Danke liebe Wienerin, gutes passendes Thema.
Leider werden die Spenden zunehmend als Selbstbedienungsfond von einzelnen Machthaber eingesteckt und bereits gesendete Hilfsartikel dann noch auf dem Schwarzmarkt (erneut) an Hilfsorganisationen vor Ort verkauft.

Auch hilfsbereite Menschen werden mit Recht missmutig darüber!
Sehr viele Bekannte, Deutsche wie auch Spanier, wollen deswegen gar nichts mehr spenden, weil "es ja doch nicht ankommt"... oder der Hauptteil in der Bürokratie verschwindet.
brainstorme ist offline  
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  #4 (Permalink)
Alt 21.05.2008, 23:10
Mencey
 
Benutzerbild von LaTorre
 
Registriert seit: 20.10.2007
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Oftmals wissen solche "damnificados" ( Opfer von Kalamitäten ) nicht einmal, dass irgendwo auf der Welt, oder eben sogar auf der ganzen Welt, für sie Geld und Hilfsmittel gesammelt wurden, weil bei ihnen nicht davon ankahm.

Ich denke Jahre zurück, als in Venezuela die Erdrutsche und auch tausende von Ex- Canarios ( dorthin Ausgewanderte ) betroffen worden waren. Da haben sich die "Canarios" mächtig ins Zeug gelegt und, ich glaube es waren damals, 850 Millionen Peseten zusammengetragen. Da kam der Herr "Chavez", selber um sie abzuholen, hier nach Canarias.

Jetzt, als ich mal nachfragte, bei Bekannte aus Venezuela, die auf Urlaub hier waren, kam das heraus - die wussten von nichts, denn noch leben die Betroffenen unter den Nachwirkungen. Das da Kanarisches Spendengeld nach V gelangt sein soll, war ihnen sehr seltsam.

Ich kann nur sagen: es wird nicht die letzte Katastrophe gewesen sein, die in "Kina" ( ich hasse es wenn die Leute, Kommentatoren im Fernsehen, es nicht "China" aussprechen wollen ) So sind eben die "Kinesen" sehr "kinetisch" geworden.

Woher kommen denn diese Phenomene, die von Jahr zu Jahr mehr werden ??
Da wird von tektonischen Verschiebungen gesprochen, die Blödmänner wollen uns nicht die Warheit sagen.

Das ist das Resultat aus dem totalen Leerpumpen der unterirdischen Petrolvorkommen, welches nur luftgefüllte Taschen hinterlässt und wo die darüber liegenden Schichten und Massen langsam sich absenken und dann zusammenkrachen.

Stellt Euch mal vor, man stellt 4 Ziegelsteine im Rechteck zusammen und legt in den entstandenen Hohlraum einen mit Wasser gefüllten Luftballon. Dann bedeckt man diesen Luftballon mit einem weiteren Ziegelstein, der so auf dem Ballon zu liegen kommt. Er wird von ihm gut gehalten.

Das ist die Erdoberfläche, die auf den Erdölflötzen "schwimmt".

So, nun nehmt mal eine Stricknadel und stecht von der Seite her den Ballon kaputt, was passiert sofort ?? Das Wasser entweicht !

Der obenliegende Ziegelstein bricht ein, durch nichts mehr gehalten, weil ja unter ihm nur noch Luft war.

Das ist ein physikalisches Gesetz und, wie eben das Wasser, was nun weg ist, ist ja auch das herausgepumpte Erdöl weg und der entstandene Hohlraum, praktisch eine riesenhafte Höhle, kann den Druck der Erdoberfläche, Milliarden Tonnen, nicht halten und bricht ein. Da kommt es dann zu unterirrdischen weitreichenden Verschiebungen.

Also sind wir Erdölverbraucher schuld am Desaster.

Könnt Ihr Euch das so vorstellen ??
__________________
****************************************

Toleranz ist die Voraussetzung für jegliches Zusammenleben !
¡ El listo más listo, tendrá que reconocer que siempre habrá otro aún más listo !
Try to take it easy ! Make the best of your situation !

Geändert von LaTorre (21.05.2008 um 23:14 Uhr)
LaTorre ist offline  
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brainstorme (23.05.2008), Die Wienerin (23.05.2008)
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