Mit wie viel Liebe werden doch Namen für ein Neugeborenes ausgesucht. Wohlklingend soll er sein, an Helden der Jetztzeit oder Vergangenheit soll er erinnern oder schlichtweg an die Tradition der Familie anknüpfen.
So ist so manches schmächtige Bürschchen zu dem, einem Heldenepos entnommenen Namen Siegfried oder Giselher gekommen, oder Krimhilde wenn sich das Baby unerwarteter Weise als Mädchen herausgestellt hat. Meist dem Trend der Zeit entsprechend haben, während noch gar nicht so lang vergangener Zeit in welcher die werdenden Mütter Simmel oder Konsalik gelesen haben, unzählige Mädchen mit dem Namen Chantal, Jasmin, getragen, auch wenn sie mit dem Nachnamen Woprschalek hießen.
Vornamen lassen aber nicht nur auf Zeitgeschichte schließen, sondern auch auf Vorlieben der Eltern. Hat Dr. Schiwago die Kinosäle gefüllt, war es Lara und der junge Mann namens Ryan Pospischl dürfte wohl nach einem Besuch der Lovestory gezeugt worden sein. In der heutigen Zeit scheint mir jedoch gilt die Regel „je ausgefallener um so beliebter“.
Ich kann nicht beurteilen ob der in Hessen auf den Namen “et omnes sancti” (frei übersetzt: “und alle Heiligen”) Getaufte wirklich glücklich über diese Namenswahl ist und wie wohl seine hoffentlich zahlreichen Freude ihn nennen werden. Vielleicht „omi“ oder „sani“ oder vielleicht auch „Tepperter“.
Warum der, im österreichischen Salzburg lebende, Enkel des letzten österreichischen Kaisers Karl I. seinen Zweitgeborenen mit dem Namen Ferdinand Zvonimir beglückt hat, kann ich mir nicht erklären, denn bei der Suche auf einen heldenhaften Vorfahren bin ich nur auf den Zvonimir Saldo gestoßen, der Mittelfeldspieler bei VfB Stuttgard ist. Ob Karl von Habsburg-Lothringen ein Fussballfan ist, weiß ich nicht.
Eine recht amüsante Erklärung hatte Verona Pooth (ehemals Feldbusch), warum sie ihren kleinen Sohn San Diego genannt hat. „Wieso nicht? Ich heiße doch auch wie eine Stadt“ hatte sie erklärt. Man kann sich also zukünftig auf Namen wie San Remo, San Franzisko oder San Sebastian freuen. Ich frage mich nur ob es „San Pauli“ auch geben wird.
Aber heutzutage muss man nicht nur auf den Seltenheitswert des Namens achten, denn schließlich und endlich, will man Menschen ja klar und deutlich definieren. Auf die Aussage, dass man den Novotny Karl getroffen habe, kann es leicht passieren dass die Fragestellung „welchen meinst denn?“ kommt. Ist ja auch nicht gerade höflich, wenn man die
präzisere Auskunft „na der mit der Knollennase und den O-Beinen“ geben muss.
Menschen, die mehr Tiefgang und vor allem mehr Zeit haben, analysieren sie Namen anhand der Buchstaben und der Damit verbunden geistigen Bedeutung.
I = Licht, und der zielgerichtete Wille Gottes
R = ist die Hilfe für den Weg der Anderen
E = sagt, dass wir vom göttlichen Strahl kommen
N = steht für die Verbindung von Materie und Licht
E = sagt, dass wir vom göttlichen Strahl kommen
Also ich kann nur sagen, zweimal ein „E“ in seinem Namen zu haben, muss doch etwas bedeuten. Aber dass meine Eltern jene Bedeutung bei der Namenswahl ins Kalkül gezogen haben, bezweifle ich. Und wenn ich so recht überlege hätte ich eigentlich gerne ein „Z“ in meinem Namen, denn es ist das Symbol für Blitz, Himmlische Gewalt. Vielleicht könnte ich dann einen sich vor mir bildenden Stau auf der Autobahn mit Blitz und Donner zur Auflösung bringen.
Auf ein weiteres Phänomen der Namensgebung hat mich eine Bekannte aufmerksam gemacht , die oft und gerne meine Kolumnen liest. „Sie sollten den Namen, unter dem Sie Ihre Artikel schreiben, ändern“ flüsterte sie mir vertrauensvoll ins Ohr. „Warum“ fragte ich erstaunt, „ich bin mit meinem Namen eigentlich recht zufrieden.“ Ein leichtes Kopfschütteln über soviel Unverständnis war ihre Antwort. „Meinen Sie meinen Vor- oder meinen Familiennamen“ fragte ich jetzt interessiert weiter. „Na ja, der Familienname klingt halt schon ein bisserl arrogant“ erklärte sie mir mit dem Brustton der Überzeugung „aber das Schlimme ist die Kombination mit Ihrem Vornamen.“
Mein fassungslos erstauntes Gesicht motivierte sie zum Weitersprechen „Die Endzahl ist keine Glückszahl“ meinte sie mit auf verschwörerisch leiser Stimme. „Welche Endzahl meinen Sie bitte“ war meine logische Frage und Sie führte mich ein in die Welt der Geheimnisse der Numerologie in Bezug auf Namen, jene uralte magische Geheimwissenschaft der Zahlen, die davon ausgeht, dass kosmische Schwingungen uns Menschen
prägen. Jeder Buchstabe des Alphabetes wird ersetzt durch eine Zahl, die zusammengezählt wird und eine Summe ergibt. Diese Summe wird wieder in zwei Zahlen gesplittet, wieder addiert und ergibt somit eine einstellige Zahl.
Und das wäre der Quell des Übels – meine Zahl ergibt keine Glückzahl. Punktum. Ich bin mir nicht sicher ob sie ein Auge auf meinen Mann geworfen hat und mich auf die Suche nach einem „glücksbringenden“ Namensspender schicken wollte, aber ich glaube für so viel Glück bin ich eigentlich gar nicht geschaffen und bleibe bei alt Vertrautem.
Aber es gibt noch einen weiteren Trend, der „Nickname“, der mich immer wieder in Erstaunen versetzt. Trotzdem, wie vorher beschrieben, die Eltern keine Mühen gescheut haben dem Menschenkind ein würdiges Auftreten bei der Bekanntgabe seines Namens zu verpassen, befleißigt sich das Internet die kreativen Gedanken der Menschen auf Hochleistung zu bringen.
Blogs – diese neuste Form der Meinungsäußerung, schreibt man unter einem Pseudonym. Wahrscheinlich, dass der Nachbar nicht erkennen kann, welcher Blödsinn da manchmal verzapft wird. Einen Chatroom kann man mit einem „Nickname“ betreten, an Foren teilnehmen, oder auch bei einer Gruppe die sich die Zeit mit irgendwelchen Spielen vertreibt.
Nur manchmal wundere ich mich halt, wenn ich lese dass „das kleine Arschloch“ um Antwort bittet, oder der „Zehenmief“ um eine Reaktion auf seinen Beitrag ersucht. Die Überlegung ob ich ein Antwortschreiben mit „sehr geehrtes kleines Arschloch“ oder „lieber Zehenmief“ beginnen soll, hat mich davon abgehalten zu schreiben.
Man muss nicht immer voll im Trend der Zeit liegen
glaubt Eure Wienerin
Irene-Christine Graf