Als im Jahr 1975 der erste Teil jener 24-teiligen Fernsehserie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ über den Bildschirm flimmerte, war Österreich schlagartig in zwei Hälften geteilt. Die Einen rümpften schockiert ihre Nasen wenn die Hauptperson, übrigens grandios dargestellt von Karl Merkatz, seinen zukünftigen Schwiegersohn als „Dioptrienotto der an Hirnpecker hat“ betitelte und die andere Hälfte klopfte sich, Beifall bekundend, auf die Schenkel.
Ernst Hinterberger, der Autor des Buches, erzählt in seiner
Geschichte das Leben eines jähzornigen und derben Proletariers der mit seiner Familie in einer typischen Wiener Wohnung zur Miete lebt. Die Serie beschäftigt sich mit Alltagssituatioen wie Schulden, Renovierung, Ehekrisen, Familienstreitigkeiten, Geldproblemen, Klassenunterschieden und vor allem zwischenmenschlichen Beziehungen.
Worte wie „Aschanti-Tiger“ wie Mundl Sackbauer eine sonnengebräunte Person nennt oder der „Auspuff-Reparierer“ wie er einen Homosexuellen bezeichnet wurde fanden Einkehr in die Wiener Mundart, verfestigten sich, wurden Teil des Sprachgebrauchs mancher Bevölkerungsschichten und deklassierten sie.
Es war damals so wie heute der BigMac von McDonald, alle sahen die Serie, doch keiner gab es zu. Man amüsierte sich über die Schimpfkanonaden die der „Mundi“ hinausbrüllte, oder wenn er den Ehering als Fangeisen bezeichnete und die Flasche Bier zum Hüserl (Hülse) oder Glosweckerl (Glasweckerl) wurde. Man kannte Ausdrücke wie den „Gschaftl-Huber“ „geschäftiger Huber) oder den „Tramhapperten“ (Traumverlorenen) und wunderte sich wie unheimlich brutal und negativ sie ausgesprochen werden konnte.
Rund zwanzig Jahre später hatte die Serie Kultstatus erreicht, das Rümpfen der Nasen hatte sich in Bewunderung verwandelt und man zitierte Aussprüche aus dem Film. „Der Mundl hätte gesagt die hat ja Gaaßhax´n“, was soviel wie Geißfuss heißt, aber Schweißfuss bedeutet.
Keine Angst, ich will hier keinen Unterricht in Wienerisch geben, aber ein Buch, welches mir ein ganz liebes Forumsmitglied geschenkt hat, ließ mich nachdenklich werden. Es heißt „Spanisch schimpfen“ und hat den Untertitel „Beleidigungen, Flüche, Sauereien“.
In dem Kapitel wie man sich in der Bank seinen Ärger von der Seele redet finde ich den Ausdruck „Hier arbeiten wohl nur lahmarschige Mitarbeiter“ mit den Worten „“Aquí sólo trabajan incompetentes“ übersetzt. Ich gebe ja gerne zu, dass mein Spanisch nicht unbedingt das Beste ist, aber in meinem Sprachgefühl würde ich eher glauben dass „incompetentes“ wenig mit lahmarschig zu tun hat.
In der Übersetzung von „Du fährst wie ein gesenkte Sau“ die hier als „Conduces como un loco“ beschrieben wird, finde ich kein Schwein, geschweige denn eine Sau und ich frage mich wirklich, ob ich je fähig sein werde die spanische Sprache zu verstehen und vor allem. ob ich überhaupt schimpfen lernen will.
Die Nuancen einer Sprache kann man sicher mit keinem Dictionary erlernen. Sucht man den Begriff „Aschanti“ im deutschen Lexikon wird man das Gebiet in Afrika finden, wird vielleicht noch darüber aufgeklärt, dass dort eine spezielle Art von Erdnüssen angebaut wird, aber spätestens in der Verbindung mit dem Wort „Tiger“ werden wir bemerken dass wir hier an eine Grenze stoßen. Da Tiger im asiatischen Raum leben und in Ghana maximal im Zoo zu bewundern sind, lässt doch maximal auf die Kreativität des Autors schließen.
Kinder lernen spielerisch leicht mehrer Sprachen, und immer wieder bewundere ich die Töchter meiner Freundin, die mit Leichtigkeit ihrem Vater eine Frage auf
französisch stellen, sich über einen energischen Hinweis des italienischen Kindermädchens hinwegsetzen, von ihrer deutschen Mutter etwas Geld erbetteln um mit ihren spanischen Freunden spielen zu gehen.
Ein guter Redner verfügt über einen aktiven Wortschatz von etwa 4.000 bis 10.000 Wörtern, wobei so kleine Silbenanhängsel wie das „na“ nicht mitgezählt werden. Wir werden bei solchen Menschen auch selten hören dass ein Begeisterungsausruf in „na bumm“ mündet oder ein Überraschungseffekt mit „na servas“ ausgedrückt wird. Hinzu kommen jedoch jene landestypischen Ausdrücke wie dass die Österreicher mit Konsequenz zum Januar „Jänner“ sagen, zu den Kartoffeln „Erdäpfel“ oder zu den Tomaten „Paradeiser“. Ob das Wissen dass Ausdrücke wie „Puffn“ „Knarre“ oder „Schieß
prügel“, die mundartliche Definitation einer Waffe sind, zur Erhöhung des Bildungsstandes zählen kann ich leider nicht beurteilen. Eines weiß ich jedoch sicher, ich konnte mich auch in Wien ohne den Wortschatz aus der Feder des Ernst Hinterberger ausdrücken, aber es gehörte ganz einfach dazu es schon mal gehört zu haben.
Meine persönlichen Spanisch Kenntnisse ordne ich ungefähr auf den Sprachschatz eines Fünfjährigen ein und ich habe beschlossen, das Buch meiner Forum-Freundin nicht näher zu studieren, denn ich glaube, manchmal ist es recht vorteilhaft nicht alles zu verstehen.
Das meint Eure Wienerin
Irene-Christine Graf