An manchen Tagen denkt man doch, es wäre besser gewesen man wäre gar nicht aufgestanden, hätte den Tag im Bett verbracht und den Herrgott ein guten Mann sein lassen.
Erschöpft und unausgeschlafen, nach nächtlichen Kämpfen um die Bettdecke klettert man aus dem Bett, sieht einen, trotz vorabendlichen Putzeifer, übrig gebliebenen und leise vor sich hin stinkenden, vollen Aschenbecher und wankt in die Küche, die nach der, bis in die Morgenstunden dauernden Feier, demutsvoll auf den Endputz wartet. Die Kaffeekanne geht über, die Milch ist sauer, den letzten Rest vom Frühstücksschinken hat doch der geliebte Ehemann während der, trotz fulminanten Abendessen, nächtlichen Hungerattacke weggeputzt und dann läutet noch das Telefon während man sich die Zähne putzt. An solch einem Tag bedeuted der, in morgendlichen Stunden, getätigte Anruf sicher nicht, dass die Schwiegermutter den angesagten Besuch aufschieben möchte, sondern dass sie auch noch ihre allerbeste Freundin mitbringt. Und wenn dann auch noch die schlaftrunken aus dem Schrank gezogene Hose sich trotz massiver Gewaltanstrengung nicht mehr schließen lässt, ist dann Tag doch irgendwie gelaufen. Wie gesagt, an manchen Tagen wäre es besser erst gar nicht erst aufzustehen.
Manchmal muss man aber nur ein bisserl nachdenken, ob das, was uns im täglichen Leben empört, entrüstet oder sogar verärgert, für andere Menschen nicht die Erfüllung eines Traumes wäre. Denn wie schon der alte Spruch „Kopf oder Zahl“ aufzeigt, hat jedes Ding zwei Seiten.
Der nächtliche Kampf um die Bettdecke bedeuted doch, dass mein heißgeliebter Ehemann die Nacht an meiner Seite verbracht und nicht, wie in so manchen bedauernswerten Beziehungen, der Partner sich die Nacht, saufender Weise, in üblen Spelunken um die Ohren geschlagen hat. Okay, der Aschenbecher und die säuberungsbedürftige Küche müssten nicht sein, aber beweist doch andererseits, dass man nicht allein ist und Freunde hat, die zumindest einen Teil des Lebensweges mit uns gehen. Und es stellt sich die Frage ob eine überlaufende Kaffeemaschine nicht besser ist, als keine zu haben oder gar einen täglichen Kampf um Trinkwasser ausfechten zu müssen?
Meckern, maulen und meutern breitet sich aus wie ein Virus, hat sich festgesetzt in unseren Köpfen, beherrscht zwischenzeitlich unsere Gedanken und unser Herz. Das Wort Zufriedenheit liegt kränkelnd danieder und wird von den wenigsten überhaupt noch zur Kenntnis genommen.
Wir ärgern uns über mangelnden Sonnenschein während eines Urlaubaufenthaltes und vergessen ganz einfach, dass wir in der glücklichen Lage sind, in einem Land zu leben wo Reisefreiheit herrscht und wir anscheinend auch die finanzielle Möglichkeit haben eine Reise buchen zu können. Wir bemäkeln den verschlafenen Kellner, der trotz mehrmaligen Winkens das gewünschte Getränk nicht serviert und versäumen dadurch den prachtvollen Sonnenuntergang. Wir machen uns das Leben ganz einfach schwer durch Unzufriedenheit.
Ich glaube die allgemeine Zustimmung zu erhalten, wenn ich behaupte, dass das Wetter und die Temperaturen in
Teneriffa zur Zeit nicht unbedingt das non plus ultra sind. Wir sehen im Fernsehen den Wetterbericht, sind grantig, stehen in der Früh auf sehen die Prognose bestätigt, schalten die Heizung auf Hochtouren ziehen doch den wärmeren Pullover an und beschweren uns lauthals über die uns zu erwartende Heizkostenrechnung. Das Wetter ist zur Zeit grauslich, okay, das ist ein Fakt. Aber sind wir nicht in der glücklichen Lage in einem freien Land zu leben und ein Heim zu besitzen, dass mit ein paar Handgriffen kuschelig warm wird? Ist es nicht einfach schön in einen vollen Kleiderschrank greifen zu können um aus unzähligen Pullovern wählen zu können? Und ist es nicht umwerfend schön, eingehüllt in eine wärmende Decke, in einem langvergessenen Buch zu schmökern?
Kopf oder Zahl – betrachten wir das Leben ganz einfach von der anderen Seite und lassen das in uns allen vorhandene Gefühl der Zufriedenheit Oberhand gewinnen
das wünscht sich Eure Wienerin
Irene-Christine Graf