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Mencey
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Relativ
Sind zwei Stunden eine lange Zeitspanne oder ein kurzer Moment?
Zwei Stunden in den Armen des Geliebten, der natürlich auch der eigene Ehemann sein kann, sind eine relativ kurze Zeit. Aber zwei Stunden mit genau dem gleichen Mann, der sich blendend mit seinem Jagdkollegen über den vor Jahrzehnten abgeschossenen Bock unterhält, sind dann relativ lang.
Relativ leitet sich aus dem lateinischen relatio – Beziehung ab, sprich auf etwas bezogen ist und hat eine zweite, davon abgeleitete Bedeutung, nämlich - verhältnismäßig. Das heißt, wenn etwas relativ ist, müssen zwei Argumente, die jeweils der Sicht des Betrachters überlassen werden, als Basis angenommen werden.
Wenn ich also die geographische Lage Tenerifes betrachte und behaupte, dass es, mit nächtlichen 15 Grad, relativ kalt ist, werden mir meine, hier auf dieser Inseln lebenden, Freunde recht geben. Wenn ich das gleiche, jedoch meiner im österreichischen Waldviertel lebenden Freundin, berichte und ihr schildere wie sehr ich zur Zeit friere, wird sie mir sagen, dass ich relativ überspannt bin, denn schließlich und endlich haben sie zur Zeit satte minus 23 Grad. Womit sie aus ihrer Sicht nicht ganz unrecht hat.
Es heißt auch, dass alles im Leben relativ ist. Das ist eine nicht unrichtige Behauptung, denn, wenn jemand relativ viel Glück hat, steht er ganz sicher nicht auf der Verliererseite, hat aber auch nicht ausgesprochenes Glück. Aber wenn a l l e s relativ ist, dann ist ja auch relativ relativ. Was ist aber relativ relativ? Ist das die Steigerungsstufe von unbestätigten Gerüchten, Gefühlen oder Annahmen? Oder ist es so wie in der Mathematik zu verstehen, dass minus und minus plus bedeutet und somit „absolut“ ist?
Kennen Sie auch jemanden, der relativ gescheit ist? Der über Alles und Jedes Bescheid weiß und nichts so gerne tut als Gerüchte zu streuen? Aus relativ sicherer Quelle habe er doch erfahren ....... jemand habe doch relativ viel Gewinn gemacht ...... diese Geldanlage ist relativ sicher ........ und so weiter und so fort. Relativ ist für manche ein herrliches Wort – man braucht sich nicht festlegen, kann Gerüchte streuen ohne Hintergründe zu nennen, muss sich nicht definieren. Es ist eben alles relativ.
Der im März 1879 geborene Albert Einstein hat im Jahr 1905 die spezielle Relativitätstheorie publiziert und, nachdem man die Feste feiern soll wie sie fallen, wurde prompt 2005 zum Einsteinjahr ausgerufen. Was ja relativ einfach ist. Nachdem ich aber, auch wenn ich mir die Einstein´sche Theorie, dass eine physikalische Theorie über Raum und Zeit, die insbesondere für die Kinematik und Dynamik von Objekten Konsequenzen hat und deren Geschwindigkeit gegenüber der Lichtgeschwindigkeit nicht vernachlässigt werden kann, noch 20 mal durchlese und trotzdem nicht verstehe, möchte ich lieber bei dem Wort RELATIV bleiben.
Für mich ist relativ ein negatives Wort. Es schmälert Leistungen, indem man behauptet „es war relativ gut“, was soviel heißt, es hätte besser sein können. Man hinterlässt Sorgenfalten auf der Stirn der Freunde, wenn man sagt, man fühle sich relativ wohl und man dankt dem Herrgott wenn der Unfall relativ glimpflich ausgegangen ist und der Freund den Gipsverband nur auf der Hand und nicht am ganzen Körper hat. Nachdem jetzt auch noch die relativ sichere Leiter unter unserem Freund zusammen gebrochen ist, habe ich beschlossen, das Wort relativ aus meinem Sprachschatz zu streichen.
Und wenn relativ gute Freunde aus relativ gutinformierten Kreisen relative Vermutungen ausposaunen und damit andere Menschen in Misskredit bringen, dann kann man annehmen, dass sie relativ dumm sind
das glaubt jedenfalls Eure Wienerin
Irene-Christine Graf
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