Ich liebe die Vorweihnachtszeit!
Die ersten Pläne werden geschmiedet wie und mit wem man das Fest begehen wird, die Küche füllt sich mit Butter, Nüssen und Schokolade, die da warten zu süßen Verführern verarbeitet zu werden, man kauft so manche Kleinigkeit um anderen Menschen Freude bereiten zu können, und man selbst ist in freudiger Erwartung so manch kleiner Kostbarkeit.
Aber das Wort „kostbar“ ist ein ebenso relativer Begriff wie die Einsteinsche Theorie von der Zeit. Was ist eigentlich kostbar?
Kostbar bezeichnen wir die Gemälde Michelangelos , welche im 15. Jahrhundert entstanden und uns von der Zukunft geliehen wurden. Kostbar sind die Diamanten Liz Taylor´s, die sie einst von Richard Burton bekam, kostbar ist die „Blaue Mauritius“. Kostbar ist Trüffel, weil selten und teuer, dasselbe gilt für alte Weine. Augenblicke sind kostbar, wenn wir sie genießen können, aber auch Wasser oder die Früchte dieser Erde. Kostbar für mich, ist auch der erste Liebesbrief, den mir, von rund 30 Jahren, mein Sohn geschrieben hat und eine frische Wurzel Kren.
Sie sehen, für jeden von uns hat der Begriff „kostbar“ eine andere Bedeutung und wie die meisten bedeutenden Ereignisse werden der Erwerb, die Auffindung oder Einbringung dieser Kostbarkeiten auch gebührend gefeiert. Wenn ein Museum ein wertvolles Bild ankauft wird eine repräsentative
Präsentation arrangiert, Liz Taylor
präsentierte die Diamanten auf glanzvollen Party´s, wir feiern die Einbringung der Ernte mit einem gebührenden Fest und ich freue mich mit meinen Freunden über den Erhalt einer kleinen Wurzel.
Der Begriff „kostbar“ ändert sich aber auch mit unseren Lebensbedingungen und dem Alter. Wie sorglos sind wir in unserer Jugend doch mit der Zeit umgegangen, wir hatten ja genug davon. Im Laufe des Älterwerdens gehen wir damit sorgsamer um. Wir umgeben uns nur mehr mit Menschen, die es wert sind, dass wir unsere Zeit mit Ihnen verbringen und wir achten auf unsere Gesundheit, damit unsere restliche Lebenszeit nicht verkürzt wird. Kostbare Juwelen im Safe sind nicht mehr so kostbar wenn man sich damit, aus Mangel an Anlässen, nicht mehr schmücken kann.
Eines der kostbarsten Güter sind Freunde, egal in welchem Lebensabschnitt wir uns befinden, oder auf welchem Fleckchen Erde wir unsere Zelte aufgeschlagen haben. Freunde, welche die Wegbegleiter durch die Höhen und Tiefen des Lebens sind, auf die man sich verlassen kann und mit denen man sich freuen kann. Der Gedanke, Freunde zu haben, die darüber nachdenken womit sie Freude bereiten können ist unbeschreiblich schön.
Aber wie gesagt, Kostbarkeiten haben nichts mit Geld zu tun. Kren, wie wir Österreicher zu dem, im deutschen Sprachgebrauch, genannten Meerrettich, sagen, ist hier auf dieser Insel eine Kostbarkeit, weil kaum erhältlich. Eine kleine Krenwurzel in einem Packerl aus Wien bedeutet einen Augenblick des Glücks.
....... und die Möglichkeit, geräucherten Lachs mit Oberskren, ein zartes Rindfleisch mit Apfelkren und Kartoffelröster oder ein steirisches Wurzelfleisch mit frisch geriebenen Kren auf den Tisch stellen zu können, ist doch Grund genug, mit Freunden ein gebührendes Fest zu feiern
meint Eure Wienerin Irene-Christine Graf
und wünscht Euch allen ein schönes Wochende