Die Verständigung der rund 6,4 Milliarden Menschen auf unserem Erdball ist durch die ungefähr 6.500 verschiedene Sprachen schon recht schwierig. Natürlich gibt es auch hier Gewichtungen. So ist mehr als die Hälfte dieses Sprachenwirrwarrs vom Aussterben bedroht, aber es gibt rund 1000 Millionen Menschen welche die englische Sprache beherrschen, 890 Millionen Menschen haben Mandarin als Muttersprache, 330 Millionen sprechen Spanisch, 300 Millionen Arabisch, ungefähr 120 Millionen Deutsch, 12,5 Millionen verstehen Bayrisch, 3,9 Millionen Berlinerisch, 1,8 Millionen Wienerisch und
eine geschätzte Zahl, die irgendwo zwischen 4.000 und 3 Millionen Menschen angesiedelt ist, spricht Esperanto. Dazu gehört mein Mann und ich bin so schrecklich stolz auf ihn.
Ich habe zwar schon lange gewusst, dass er zu einer aussterbenden Spezies zuzuordnen ist, denn für ihn, als Vertreter der alten Wiener Schule, ist Höflichkeit einer Dame gegenüber oberstes Gebot , Smalltalk in der Gesellschaft eine leichte Übung und umfassendes Allgemeinwissen eine Selbstverständlichkeit. Er hat die Gabe meine unausgesprochenen Fragen zu beantworten, meine Gefühlswelt zu analysieren und meistens in die richtigen Kanäle zu leiten. Ein Traummann?
Für mich schon, denn schließlich und endlich teile ich mein Leben mit ihm seit über 30 Jahren und habe auch gelernt seine Schwachstellen zu akzeptieren. Eine davon ist, mit Fremdsprachen absolut auf Kriegsfuss zu stehen. Seine Englischkenntnisse aus der Schulzeit haben sich in das hinterste Winkerl seines Gedächtnisses verkrochen und sind nur sehr schwer aus ihrem Versteck herauszuholen, und die mühsamen Versuche die spanische Sprache zu erlernen haben wir nach geraumer Zeit, dank einiger heftiger Zerwürfnisse, auch aufgegeben.
Aber, er steht dazu. Er ist sich dessen bewusst dass er in einem fremden Land lebt, setzt nicht voraus dass die Spanier der deutschen Sprache mächtig sind, bedient sich seines Charmes, seiner Hände und Füße oder eines Dolmetschers um sich trotz allem verständlich zu machen. Aber er hat ein feines Gespür für die Nuancen eines Gesprächs und gerade in unserem vielsprachigen Freundeskreis unterhält er sich zu meinem Erstaunen oft fließend mit einem Spanier, von dem ich ganz genau weiß, dass dieser nur Bruchstücke der deutschen Sprache beherrscht. Hier kommen halt dann absolut sonderbare Worte zustande, wie zum Beispiel den bewunderungswürdigen Satz, dass unser spanischer Freund jetzt einen Gasbrenner mit tres ringos, also mit drei Ringen hat, auf dem er seine Paella zubereitet. Eine Mischung aus Spanisch, Deutsch und Lächeln überwindet halt die meisten Sprachschwierigkeiten und die tres ringos sind mittlerweile zu einem geflügelten Wort geworden.
Nun gehört jedoch, wie ich eingangs schon erwähnt habe, mein Mann anscheinend trotz allem zu einem Menschenschlag der nicht mehr häufig vertreten ist. Viele der Menschen die hier auf
Teneriffa ihre wohlverdiente Pension genießen, haben zwar einen Wohnortwechsel vollzogen aber nicht begriffen, dass sie in ein fremdes Land gezogen sind. Man setzt voraus dass in den Supermärkten deutsch gesprochen wird, dass auf Ämtern ein Dolmetscher selbstverständlich wäre und es fast eine Frechheit ist, dass ein spanischer Arzt eine Operation verweigert, weil er den geplanten Eingriff nicht erklären kann. Wobei ich es aber schlichtweg verwerflich finde, nicht, dass der spanische Arzt der deutschen Sprache nicht mächtig ist, sondern dass der überweisende deutsche Arzt die brav privat zahlenden Patienten nicht von vorne herein auf solche Hürden aufmerksam macht.
Außerdem frage ich mich oft, wie die vielen, hier ansässigen, Firmenchefs, Beamte, leitende Mitarbeiter von Konzernen oder meist sogar deren Generaldirektoren in ihrer Heimat den dort tätigen Ausländern entgegen gekommen sind. Haben Sie Türkisch, Serbisch, Kroatisch oder Spanisch gelernt um mit ihnen kommunizieren zu können?
Bereits im Jahr 1887 hat Ludwik Leijzer Zamenhof die Grundlagen für eine weltweite Kunstsprache veröffentlicht. Unter dem Pseudonym Doktor Hoffender „Doktoro Esperanto“ wollte er eine leicht erlernbare, neutrale Sprache für die internationale Kommunikation entwickeln aber so wie viele gute Ideen wurde auch diese durch wirtschaftliche und politische Mächte zunichte gemacht. Esperanto, wie die Sprache genannt wurde, wäre eine demokratische Lösung des Verständigungsproblems der Welt, die aber keine Muttersprache ersetzen sollte. All diejenigen, die so vehement auf ihrer Sprache bestehen, sollten doch einmal ihren eigenen Wortschatz durchforsten und überlegen, ob sie noch ein deutsches Wort für Make up, Baby, Personalcomputer oder Party finden. Wir alle akzeptieren doch Amerika als Weltmacht, lassen ihren Wortschatz in unsere Sprache einfließen und fühlen uns dann „up to date“ oder ganz einfach „in“.
Ich habe übrigens das Wörterbuch in Esperanto durchgestöbert und fand unter dem Begriff Ring die Übersetzung „ringo“. Also ist doch der von meinem Mann gebrauchte Ausdruck nicht wirklich abstrakt, nur ich habe es nicht gewusst dass er Esperanto spricht. Halt doch ein Traummann
meint Eure Wienerin Irene-Christine und wünscht Euch ein schönes Wochenende