|
Teneriffa Conquistador
Registriert seit: 08.08.2007
Ort: Puerto de la Cruz
Beiträge: 79
Abgegebene Danke: 34
Erhielt 25 Danke für 19 Beiträge
|
Ein Münchner im Himmel
Es ist wieder so weit, ab morgen findet zum 174. Mal, das größte Volksfest der Welt, auf der Theresienwiese in München, statt.
Hier ist ein kleines bekanntes, im Jahre 1911 erfundenes Geschichterl
von Ludwig Thoma (1867 - 1921) .
Alois Hingerl - Dienstmann Nr. 172 am Münchner Hauptbahnhof -
erledigte einen Auftrag mit solcher Hast, daß er vom Schlag getroffen zu Boden sank und starb.
Zwei Engerl schleppten ihn mit vieler Mühe in den Himmel, wo er vom
Hl. Petrus empfangen wurde.
Petrus eröffnete ihm zuerst, daß er von nun an auf den Namen
"ENGEL ALOISIUS" zu hören habe, überreichte ihm eine Harfe und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt:
"....von morgens 8 Uhr bis mittags 12 Uhr: frohlocken;
von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr: Hosianna singen."
"WOS IS ?" fragte Aloisius
" Von morgens 8 Uhr bis abends 12 Uhr frohlocken...........
"SO - HMHM - JA, WANN KRIAG NA I WOS Z`TRINKA ?"
"Sie werden Ihr Manna schon bekommen", sagte Petrus leicht indigniert und ließ ihn stehen.
"AUWEH! DES WERD SCHE FAD - MEI LIABA, DA MOAN i OLLAWEI, DA BIN i NEITRETEN! FROHLOCKEN?!
A-a-a-a - EAHM SCHAUG O: FROHLOCK`N MÜAßAT i DA HEROBN... i HAB
GMOANT, i KUMM IN HIMMI...?!"
Er setzte sich, wie ihm befohlen, auf eine Wolke und begann zu frohlocken:
"HALLELUJA----HALELUJA---HAHLEE-LUJA..."
Ein völlig vergeistigter Engel schwebte an ihm vorüber.
"SIE! HERR NACHBAR! HERR NACHBAR!" schrie Aloisius, "HAMM SIE VIELLEICHT
AN SCHMAIZLA BEI EAHNA?" AN SCHNUPFTABAK - HAMS NIX? A PRIS? -
GEH WEIDA, FAHR OANE HER!"
Der durchgeistigte sah ihn nur völlig entgeistert an, lispelte nur "Hosianna!"
und flog von hinnen.
"JA- ja, was is den does für a Hanswurst?" rief Aloisius. NACHA HAMM S`halt
KOAN SCHMAIZLA, SIE ENGEL, SIE BOANIGA! SIE AUS`GSCHAMMTA!"
Mei Liaber, da werd so a Zeigl herob´n sei! A-a-a-a-, was steh i aus!"
Und er setzte sich wieder auf seine Wolke und begann erneut zu frohlocken;
diesmal allerding bedeutend zorniger!
HAHLELUJA - LUHJA - LUHJA sag i - ZÄFIX HAHLELUJA - LUHJA!!!
Er schrie so laut, daß der liebe Gott nebenan von seinem Mittagsschlaf
erwachte... und ganz erstaunt fragte: "Ja, was ist denn da für ein Lümmel heroben?"
Und er schickte sofort zu Petrus - der kam angerast - und sie hörten zusammen den Engel Aloisius frohlocken:
"LUHJA - SACKLZEMENTHALELUJA - LUHJA, SAG i - MEI LIABER: LUHJA!!!"
Petrus raste los und schleppte den Aloisius vor den lieben Gott.
Der sah ihn sich lange an - darauf sprach er: "Aha - ein Münchner! Ja sagen Sie mal, warum plärr`n Sie denn da heroben so unanständig?"
Da kam er beim Aloisius aber grad an den Richtigen!
Der war mitten drin in der Wut und legte nun los: "JA, - JA WAS GLAUB`N
DENN SIE! WEIL MIR DA HEROB`N IM HIMMEL SAN, DA MÜAßAT i SINGA WIA
A ZEISERL, WAS? WAAS? Z`TRINKA KRIAGAT i ÜBERHAUPTS NIX -
"MEI LIABER: A MANNA HAT ER G`SAGT, A MANNA KRIAGAT i ! MEI LIABER
DA WENNST MA NET GEHST MIT DEIM MANNA, GELL, DEN KENNTS SELBER SAUFA, DES SAG i EICH, ABER i TRINK KOAN MANNA, DASS DI AUSKENNST!
-UND SINGA TUA i ÜBERHAUPTS NET, i HAB NI NIA G`SUNGA, DA SING i ERST
RECHT NET..."
"Petrus", sagte der liebe Gott, "mit dem können wir hier nichts anfangen.Nun,
für den habe ich eine andere Aufgabe - er soll meine göttlichen Ratschläge
der Bayerischen Regierung überbringen. Auf diese Weise kommt er jede Woche ein- oder zweimal nach München - dann hat die liebe Seele ihre Ruhe...
Als Aloisius das hörte, war er sichtlich froh. Er bekam auch gleich den ersten
Auftrag - einen Brief - und er flog damit los.
Und als er plötzlich Boden unter den Füssen fühlte, da war es ihm, als wär er
im Himmel.
Und einer alten Gewohnheit gemäß führte ihn der Weg hin zum Hofbräuhaus,
und er fand seinen Stammplatz wieder,
fand den Stammplatz leer,
die Kellnerin, die Kathi, kam auf ihn zu..
und er bestellte sich eine Maß Bier,
und er bestellte sich no a Maß,
und no a Maß und er vergaß seinen Brief und seinen Auftrag,
und b`stellt sich no a Maß und no oane...
und da sitzt er heit no.
Und so wartet die Bayerische Regierung bis heute vergeblich auf die
göttlichen Eingebungen.
|