Manchmal bin ich fast ein bisserl sauer auf die Spuren des Lebens welche die Jahre an mir hinterlassen haben. Die knackige Figur hat sich zu einem sehr weiblich gerundeten Körper entwickelt, die ersten Fältchen schlagen ihre Kerben ins Gesicht und beim Durchblättern eines Modejournals kommt schon mal der Ausruf „Ja, das war einmal“.
Es gibt aber auch viele Momente wo ich es begrüße den Strapazen des Jungseins nicht mehr ausgesetzt zu sein. Die Anstrengungen der Selbstfindung – wer bin ich, was möchte ich sein – habe ich hinter mich gebracht. Ich habe meinen Stil gefunden, weiß wer ich bin und habe gelernt mich mit meinen Fehlern zu arrangieren. Die Zeit der Partnersuche, des Probierens und Arrangierens ist lange vorbei, denn ich habe i h n (den Traummann) vor bereits langer Zeit gefunden. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, habe dafür Anerkennung und finanziellen Erfolg für mich verbuchen können und bin nicht mehr auf der Suche nach einem befriedigenden Betätigungsbereich.
Und doch hasse ich es, manchmal, schon so alt zu sein.
In meinen jungen Jahren habe ich jedes Baby für entzückend empfunden, habe an Klischee´s geglaubt, wie, dass jede Mutter fürsorglich, jeder Vater liebvoll-streng und jede Stiefmutter böse ist. Ich habe Fassaden bewundert, die sich als Potjemkin´sche Bauwerke entpuppten und ich habe an Freundschaften geglaubt, die sich als nutzlos erwiesen. Ich habe an unbestechliche Männer in der Politik geglaubt, an uneigennützige Geschäftspartner, an Gerechtigkeit und vieles andere mehr.
Doch je älter ich geworden bin, um so mehr Illusionen haben sich wie Seifenblasen aufgelöst. Das süße Baby, um das ich meine Freundin so glühend beneidete hat sich zu einem heroinsüchtigen Monster entwickelt, ich habe bösartige Mütter kennen gelernt und Geschichten von gar nicht netten Vätern gehört. Ich habe Freunde verloren, ich habe das Machtgerangel in der Politik miterlebt und ich habe gelernt mich durchzusetzen. Ich habe Menschen kennen gelernt, die auf ein Klingeln an der Haustür maximal mit einem Blick aus dem Guckloch reagieren, oder dem netten Jungen aus der Nachbarschaft mit den Worten „ich brauche nichts“ verscheuchen. Menschen, die das gut gemeinte Angebot des Tragens der schweren Einkaufstasche ablehnen, weil sie sich fürchten, oder jene die ganz einfach Kontakte zu ihren Mitmenschen vermeiden um negativen Erfahrungen auszuweichen.
Ich habe solche Menschen immer verurteilt, die sich hinter ihren vier Mauern verschanzen und keiner noch so guten Absicht Eintritt gewähren. Aber Misstrauen ist eine Eigenschaft des Alters und nichts anderes als das Resultat aus jahrelangen Erfahrungen. Nein, eigentlich hasse ich nicht mein Alter, ich bin nur manchmal traurig über die Fülle von Erfahrungen die man im Laufe eines Lebens macht.
Ich mag junge Menschen, ich mag ihre Energie, ihre Unbekümmertheit und ihren Esprit. Und doch bin ich, nach immer wiederkehrenden, nächtlich ungebetenen Besuchen von Jugendlichen, allen jungen Menschen gegenüber sehr vorsichtig geworden. Hätte ich doch dem netten junge Mann, der sich bei mir nach meinen Nachbarn erkundigte, die Türe vor der Nase zugeworfen, und nicht die Auskunft „Tut mir leid, der ist gerade weggefahren“ gegeben, vielleicht hätte er dann nicht kurz darauf versucht bei diesem einzubrechen. Wahrscheinlich werde ich das nächste Mal sagen „no se, no hablo espanol – nix verstehen“ und die Tür nur einen Spalt öffnen. Aber ich werde mich sicher nicht in meinen vier Mauern verschanzen, denn ich könnte vielleicht damit die Chance verpassen einem netten Menschen zu begegnen.
Die Geschichte des Lebens lehrt ja auch, dass man aus Erfahrungen nur lernen kann. Der erste verbrannte Finger lehrte, dass man in keine offene Flamme greift, der erste finanzielle Misserfolg zeigte Fehler auf, aus denen man lernen konnte und so manches Wort, dass man früher gedankenlos hinwarf, sprach man nicht mehr aus um nicht zu verletzen.
Und so kann ich nur sagen - das Leben ist schön, in jedem Alter. Das Leben hat mir ein paar Fältchen ins Gesicht gezeichnet, ich habe viele Illusionen verloren und auch viele negative Erfahrungen gemacht, aber ich habe nie verlernt an das Gute im Menschen zu glauben und ich glaube an den Wert von Partnerschaft und Freundschaft. Betrachten wir die Negativerfahrungen doch ganz einfach als Lernprozess in der Schule des Lebens aber schließen wir das „Leben“ nicht aus unserem Leben aus
meint Eure Wienerin und wünscht Euch ein schönes Wochenende
Irene-Christine Graf
Folgender Benutzer sagt Danke zu Die Wienerin für den nützlichen Beitrag:
Hallo Wienerin,
wenn sich jemand Gedanken macht über sein Leben, der kommt auch zu deinem Schluß. Und wenn Du so alt bist wie ich (66) denkst du auch noch darüber nach, ob es überhaupt einen Sinn gemacht hat zu leben.
das wär' für heute
oh je, und schon ist mein sowieso schon grauer tag noch ein bisschen grauer geworden. tut mir leid, war sicher nicht deine absicht, aber je nach grundverfassung wirken worte eben sehr unterschiedlich.
einige erfahrungen kann ich teilen. so werde ich folgendes nie vergessen: eine alte dame auf dem weg vom einkaufen nach hause, an jedem arm ein schwerer beutel und der rücken schon so gebeugt. ich hatte zeit und mir ging es gut, also fragte ich, frohen mutes einem mitmenschen eine kleine freude zu machen, ob ich ihr helfen kann, ich würde ihr die taschen tragen. diese plötzliche woge der angst, die mir da entgegen schwappte, werde ich nie vergessen. sie hat höflich abgelehnt und versucht zu demonstrieren, wie stark sie ist, in dem sie den rücken durch drückte und mit erhobenem haupt ein paar schritte weiter schlich. ich war so geschockt, dass man mit einem hilfeangebot angst verursachen kann - der tag war für mich gelaufen. es war kein verletzter stolz bei ihr, der einem ja manchmal begegnet, wenn man einem in ehren ergrauten "frontkämpfer" einen platz im bus anbietet - nein - es war schlicht weg pure angst, ich könnte sie beklauen oder schlimmeres...
aber was soll's - die welt formt uns jeden tag ein stückchen mehr.
und hier bohrt sich gerade die sonne durch die bleigrauen wolken - da geht es mir doch gleich wieder besser.
*Schmunzel* man sagt ja Faeltchen kommen vom "Leben".
Ich bin manchmal erstaunt und denke mensch so alt bist Du, aber ich fuehle mich nicht so.Manchmal fuehle ich mich wie 90, aber meistens wie 18
Freunde kommen und gehen, wahre Freunde bleiben.
Vielles kommt mir bekannt vor.Illusionen hatte ich nie kommt vielleicht davon das ich ein Circuskind bin
Schlechte Menschen gibt es ueberall.Mein "Bruder" sagt immer Bleib von denen weg, recht hat er, mit denen will ich nichts zu tun haben.
Mayerhofer@ vielleicht solltest Du mal wieder nach Teneriffa kommen, dann weisst Du das es sich zu leben lohnt.
bin ohnehin vom 3. - 17- Nov. in Teneriffa, vielleicht können wir uns in einem größeren Kreis treffen.
deswegen bleibt doch die Frage, warum man überhaupt lebt.
viele Grüße von Heribert
ja, ich genieße jeden Tag, egal was er gebracht hat. Auch mein Leben war ein ewiges Auf und Ab, trotzdem möchte ich keinen Stunde davon missen. Trage auch stolz die Zeichen dir mir dabei verliehen wurden, sind sie doch ein Teil von mir, bin so wie ich bin, und wenns mal wen stört dann ist er es sowieso nicht wert weiter beachtet zu werden...
Denn wahre Freunde gehen nicht nach Gewicht, Fältchen und Kontostand, die stehen in jeder Lage hinter dir, und ich bin stolz und froh davon welche zu haben!
Unsere "Altersweisheit" bringt uns in die angenehme Lage vieles gelassen zu sehen, noch viel mehr bewusst genießen zu können und auch mal 3 gerade sein zu lassen.
In diesem Sinne wünsch ich ein geruhsames und doch ereignisreiches Wochenende!
Irene
Warum man lebt? Das vermag ich kaum zu beantworten. Aber wenn ich schon einmal auf dieser Welt bin (warum auch immer...) dann versuche ich wenigstens das Beste daraus zu machen.
Warum man lebt...darueber grueble ich immer noch Mayerhofer, aber es lohnt sich zu leben.
Schon alleine der Liebe wegen, schon alleine der Familie und Freunde,und wegen all den schoenen Dingen die es gibt.
Andere Kulturen zu sehen und kennenzulernen, mit der Familie eine reise zu unternehmen, mit guten Freunden zu kloenen,schoen essen gehen(grosse Steaks), auf den Teide steigen und von dort herabzublicken, die Delfine im Meer zu bewundern, im Ozean zu baden,im Forum zu serven und gruene Smilies setzen, Blumen anzusehen, Voegel zwitschern hoeren, Musik hoeren, anderen zu helfen, Kinder aufwachsen zu sehen,Partys feiern,tazen,neue Menschen kennenzulernen.....und und und..... schon deshalb lohnt es sich zu leben ...denk ich