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Mencey
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Klischees
Wenn ich im Brockhaus unter dem Begriff „Klischee“ nachschaue finde ich unter anderem die simple Erklärung, dass ein Klischee eine eingefahrene Vorstellung, bzw. eine abgegriffene Redensart ist. Klischees sind somit Begriffe wie „der ist alt“, „die ist jung“, „das ist schön“ „das ist modern“ und so weiter ......
Nun bin ich vor geraumer Zeit beim Durchstöbern alter Familienfotos auf ein Bild des Großvater meines Mannes gestoßen. Wow, war das ein attraktiver Mann. Groß, schlank, mit gepflegtem Bart, in jagdliches Grün gekleidet, mit Flinte und Jagdhund steht er da und, obwohl das Bild in vornehmen Grauton gehalten ist, strahlt es die Würde des fortgeschrittenen Alters aus. In ein paar Jahren, dachte ich mir, würde mein Mann, wenn er seine bewaffneten Spaziergänge durch´s Revier macht, auch so ausschauen, denn die Ähnlichkeit ist umwerfend. Und, nachdem man damals ja noch die Fotos auf der Rückseite ordentlich beschriftete, fand ich den Hinweis wann das Foto gemacht wurde und wen es darstelle und ich begann anhand der Familienchronik zu rechnen – zum Zeitpunkt der Aufnahme war der Großvater meines Mannes rund 10 Jahre jünger als mein Mann heute ist.
Weitere Bilder aus dem Familienalbum zeigen die Großeltern meines Mannes im Kreise ihrer Kinder, bei Geburtstagsfeiern oder sonstigen wichtigen Ereignissen. Steif und würdig sitzen oder stehen sie da, sind, der damaligen Mode entsprechend gekleidet und nichts jugendliches oder fröhliches lässt sich erahnen, obwohl sie damals nicht älter als 35, bzw. 40 Jahre sein konnten. Man zeigte eben, dass man Gutsherr und Mühlenbesitzer mit Familie war und repräsentierte damit eine eingefahrene Vorstellung. Aus Erzählungen meiner Schwiegermutter weiß ich jedoch, dass die Vorfahren meines Mannes sehr wohl die heiteren Seiten des Lebens genossen haben.
Aber eigentlich brauche ich gar nicht zum Ende des 18. Jahrhunderts gehen um auf Klischees zu treffen. Schauen wir uns doch die, uns täglich über den Bildschirm flimmernden Filme an. Hier werden Rollen gespielt und die Maskenbilder tun ihr Bestes um auch den Dümmsten unter uns zu beweisen, dass die oder der die Rolle des Großvaters, bzw. der Großmutter spielt. Das Haar wird schlohweiß gepudert, dekorative Falten werden ins Gesicht gezaubert, die Garderobe muss, je nach gesellschaftlicher Rolle, entweder altmodisch klassisch oder zumindest farblos und fad sein.
Aber wie schon im Brockhaus steht – Klischees sind abgegriffene Redensarten, sind überholt und absolut nicht an den Lauf der Zeit angepasst. Wir alle wissen das, und doch lassen wir uns in Klischees pressen.
Wie ist die heurige Modefarbe? Ach ja, rosa trägt man heuer. Um Gottes Willen, man findet im Kleiderschrank ja gar kein Outfit in rosé gehalten, na dann ....
Dünn sein ist „in“! Joghurt, kalorienfreie Tomaten und fettarmer Käse zieren unser Abendbrot. Die Fettzellen, die so manche Falte in unserem Gesicht liebevoll ausgepolstert haben, verabschieden sich und hinterlassen tiefe Spuren. Aber dagegen kann man ja, dank intensiver Forschung der Kosmetikindustrie, etwas machen ......
Die schlimmste Art von Klischee-Denken ist für mich jedoch jenes Denken, dass uns seitens der Regierungen auferlegt wird. Bis zum 2. Lebensjahr ist man ein Baby, bis zum 6. Lebensjahr ein Kleinkind, dann ist man Schüler, Teenie, Jugendlicher und Erwachsener, hat einen Beruf zu ergreifen, zu heiraten und Kinder zu zeugen. Mit spätestens 55 ist man alt und ab 65 nur mehr ein kalkulatorischer Faktor für die Verbraucherindustrie die ihre Produktlinie an den Mann bringen will. Wer sagt eigentlich, dass ein Kind erst (oder schon) mit 6 Jahren schulreif ist? Gibt es nicht die sogenannten „Spätzünder“ oder die, die viel früher gefordert werden müssten? Eine erst kürzlich gezeigte Dokumentation berichtete von immer mehr Jugendlichen, die im zarten Alter von 10 Jahren unter dem Gefühl des Liebeskummers unendlich leiden, weil die Pubertät heutzutage bereits mit 9 Jahren beginnt und ihre Gefühlswelt total über den Haufen wirft. Sind das dann „Teenie´s“ oder in welche Kategorie stuft man diese Menschen ein? Ist man mit 55 Jahren wirklich alt und warum muss man mit dem biblischen Alter von 65 Jahren in den Ruhestand gehen? Ich gebe ja zu, dass sicher viele Menschen darüber froh sind, dem täglichen Trott der Arbeitswelt entronnen sein zu können, aber ich kenne auch Menschen die Spaß an der Arbeit haben und noch genug Leistungen und Ideen in die Zukunft einbringen könnten.
Wir wehren uns doch schon lange gegen Klischees. Viele von uns sind Großmütter oder Großväter, schicken Freunden tolle Fotos, die uns braungebrannt beim Badeurlaub zeigen und schlagen dank farbenfroher Mode und dem Können der Friseurinnen dem körperlichen Altern ein Schnippchen. Horchen wir doch ganz einfach in uns hinein - die innere Uhr sagt uns viel genauer wie alt wir uns fühlen. Viel besser als jeder Regierungsentwurf
das meint Ihre Wienerin
Irene-Christine Graf
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